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Von der Bloggerin zur Geschäftsfrau

Anine Bing im Mercedes Benz
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Die Modeunternehmerin und Social-Media-Influencerin Anine Bing gibt uns Einblicke in ihre Business-Philosophie und ihren Style.

Anine Bings gleichnamige Marke entwickelte sich von einer kleinen Kollektion, die über Instagram verkauft wurde, zu einem blühenden E-Commerce mit Läden in sechs Ländern und einem Dutzend Kollektionen pro Jahr. Die Mutter von zwei Kindern hat dänische Wurzeln und ist als Unternehmerin sehr präsent in den sozialen Medien. Wo sie geht und steht, entstehen Snapchat-Stories, Instagram-Fotos und Blogposts für ihre Marke.

Diesen September öffnete ihr neuntes Ladengeschäft im angesagten Berliner Bezirk Mitte. Der elegante Flagship Store ist mit großformatiger Kunst und subtil platzierten Vintage-Elementen die perfekte Kulisse für den begehrten skandinavischen Style der Marke, den Anine geschickt mit kalifornischem Rock-Chic kombiniert.

Ich entschied mich für die Gründung, weil mir bestimmte Sachen auf dem Markt einfach fehlten. Anine Bing

Wir haben die viel beschäftigte Geschäftsfrau anlässlich eines Foto-Shootings im Hotel Zoo getroffen und sie danach in unserem strahlend weißen Mercedes-Benz C 180 stilgerecht zu ihrem eigenen Store-Opening chauffiert. Während der 20-minütigen Fahrt sprachen wir mit Anine über ihren abwechslungsreichen Terminkalender, die Zukunft der Modebranche und ihren legendären Stil.

C 180: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,5–5,0/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 126–116 g/km*

Anine Bing in Berlin

Anine Bing war bereits eine Art persönliche Marke, bevor Sie mit der Entwicklung Ihrer eigenen Mode-Linie begannen. Wie haben Sie damit angefangen?

Vor etwa acht Jahren habe ich mit einem Blog begonnen. Leute fragten immer wieder „Was trägst du da?“ und interessierten sich für meinen Stil. So entwickelte sich mein Lifestyle-Blog über viele Jahre. Ich habe selbst als Model gearbeitet und kannte die ganze Modebranche gut. Darum war ich immer viel unterwegs und hatte ein ziemlich abwechslungsreiches und interessantes Leben. Das wollten anscheinend viele Leute gern mitverfolgen. Dann bekam ich meine Kinder und die Blog-Themen änderten sich eher in Richtung inspirierender Mutter-Kind-Blog. Das änderte sich dann aber erneut, als ich mich entschloss, meine eigene Mode-Marke zu gründen. Ich entschied mich für die Gründung, weil mir bestimmte Sachen auf dem Markt einfach fehlten. Ich war ganz verrückt nach Jeans, konnte aber niemals das richtige Paar für mich finden. Und ich erlebte den Social-Media-Effekt, denn wenn ich etwas auf meinen Bildern trug, wusste ich, dass es sich danach gut verkaufte. Ich entschied, dass das eine gute Möglichkeit war, etwas zu tun, was ich liebe, und gleichzeitig etwas Größeres daraus zu machen.

Sie haben erwähnt, dass alles, was Sie selbst tragen, sich gut verkauft. Viele Marken müssen lange nach den geeigneten Influencern suchen, mit denen sie reibungslos und effektiv zusammenarbeiten können. Wie fühlt es sich an, nicht nur Gründerin der eigenen Marke zu sein, sondern auch die wichtigste Influencerin?

Ich bin stolz auf meine Entwürfe und ich liebe es, sie zu tragen. Ich denke, das zeigt, dass ich die Marke und den Lifestyle lebe und atme – so unterstütze ich meine Marke auf ganz natürliche Weise. Ich habe zwei Kinder und arbeite sehr hart. Das inspiriert die Leute, denke ich. Natürlich mögen meine Follower auch, wie die Kleidung aussieht. Es ist wohl eine Kombination aus all diesen Faktoren, die am Ende den Erfolg ausmacht.

Ich habe gespürt, dass Social Media die neue Art des Arbeitens ist. Anine Bing

Warum haben Sie entschieden, Ihr Unternehmen über Social Media wachsen zu lassen, anstatt wie viele andere Marken den traditionellen Weg zu gehen?

Weil alle anderen den traditionellen Weg eingeschlagen haben und ich gespürt habe, dass Social Media die neue Art des Arbeitens ist. Ich mag es, Dinge anders zu machen als andere Leute. Für mich war das eine perfekte Möglichkeit, da ich auf meinen verschiedenen Plattformen bereits ein treues Publikum hatte. Das war 2012, genau als Instagram gestartet ist. Man wusste noch nicht genau, was für Auswirkungen das hat, deshalb habe ich mit einer sehr kleinen Kollektion begonnen und niemandem etwas davon erzählt. Ich entwarf etwa zehn Kleidungsstücke: ein paar Jeans, T-Shirts und eine Lederjacke. Von einem Tag auf den anderen ging meine Website online und ich begann, die Stücke auf meinem Instagram-Channel und Blog selbst zu tragen.

Anine Bing auf einem Dach in Berlin

War dieser Weg damals riskant und wie schnell wussten Sie, dass es sich lohnt?

Im Grunde gab es sofort Feedback. Natürlich konnte ich nicht sagen, ob es funktionieren würde oder nicht, aber vom ersten Tag an begann ich, ein paar Stücke zu verkaufen, und dann wurden es immer mehr und mehr. Nach drei oder vier Monaten stellten wir fest, dass es tatsächlich funktioniert und beschlossen, etwas Richtiges daraus zu machen.

Was war das erste Stück, das ausverkauft war?

Das müssen die Lederjacken gewesen sein. Bald danach entwarf ich die Charlie-Boots, die mit Nieten besetzten Stiefel, und die gingen weg wie warme Semmeln.

Sie haben nach Ihren eigenen Erfahrungen der Markenbildung über Instagram den Übergang der traditionellen Modelle zu einem Sofort-Kaufen-Modell vorausgesagt, den nun auch etablierte Marken vollziehen. Wie sieht das Geschäftsmodell „Mode“ in Zukunft aus und wie passt Anine Bing da hinein?

Das ist die Zukunft, das spüre ich. So habe ich vor vier Jahren angefangen und ich denke, die meisten Marken bewegen sich in diese Richtung. Wir nehmen natürlich selbst kleine Anpassungen vor, aber der grobe Kurs steht – so arbeitet man eben heute. Die Leute möchten keine sechs Monate warten. Dies entspricht auch meiner Persönlichkeit, das heißt, es trifft auch auf mich als Person zu. Ich bin sehr ungeduldig und mag nicht lange auf Dinge warten.

Sie begannen als Instagram-Marke und wuchsen beeindruckend schnell. Warum sind Sie nun auch in den traditionellen Einzelhandel gegangen?

Nun, ich habe genügend Interesse festgestellt und außerdem war es mein Traum, einen eigenen Laden zu haben. Ich habe ganz bescheiden mit einem kleinen Laden angefangen und das lief wirklich sehr gut. Dann habe ich die Chance ergriffen und bin nach New York, was ebenfalls gut lief. Zwei Jahre später haben wir nun neun Läden. Auch wenn es schnell ging, geschah es wirklich organisch. Wir gingen in die Märkte, bei denen wir Interesse für die Marke Anine Bing sahen.

Anine Bing steigt in einen Mercedes ein

Was mögen Sie am liebsten am Einzelhandel?

Ich liebe es, wie man die Marke als Ganzes präsentieren kann. Wenn man in anderen Läden verkauft, nehmen die vielleicht zehn Stücke ins Sortiment. Da bekommt man nie einen umfassenden Eindruck von der Marke. Bei uns kommt man wirklich in Anines Welt und spürt, welche Düfte ich liebe, welche Blumen und welche Kunst – alles ist sehr persönlich. Ich gehe auf Flohmärkte und suche verschiedene Kleinigkeiten aus, Vasen und Bilderrahmen zum Beispiel, einfach um den Laden individueller zu gestalten. Ich denke, die Leute mögen das. Sie kommen herein und erleben ein ruhiges, angenehmes Gefühl. Man hört Musik, die ich persönlich gerne höre. Alle diese Elemente kommen hier zusammen. Kunden erfahren die Marke auf eine andere Weise.

Wie stark ist Anine Bing von Los Angeles beeinflusst?

Das ist alles eine Mischung, denn ich bin eine Skandinavierin, die zwölf Jahre in L.A. gelebt hat. Also verkörpert die Marke auch dieses minimalistische skandinavische Gefühl gemischt mit dem rockig Unkonventionellen, das L.A. ausmacht. Ich denke, es ist eine gute Kombination aus beidem.

Wie bringen Sie Ihr Leben als Mutter und Unternehmerin unter einen Hut?

Als ich die Marke gestartet habe, bekam ich eine Tochter und wurde dann schwanger mit meinem Sohn Benjamin. Das war hart, weil ich ständig müde war, denn ich hatte diese Marke aufzubauen und meine gesamte Energie in dieses Projekt zu investieren. Als er geboren war, musste ich sehr schnell wieder arbeiten. Mit meiner Tochter Bianca war ich eineinhalb Jahre daheim – nur ich und sie. Und ganz plötzlich hatte ich zwei Babys und eine Marke, das war eine harte Zeit in meinem Leben, persönlich und beruflich. Wenn man gerade ein Baby bekommen hat, ist man noch nicht hundert Prozent da, sondern ein bisschen neben der Spur. Es war hart, aber es war es wert. Ich war da auch ein gutes Beispiel für meine Kinder, dass man trotzdem arbeiten und etwas aufbauen kann. Ich lebte quasi zwei Leben, meine Familie und mein Unternehmen. Vier harte Jahre lang nicht ausgehen zu Abend- oder Mittagessen, keine Drinks mit Freunden, ins Café oder so. Ich hab’ mich so ganz auf meine zwei Leben konzentriert. Aber es war okay. Jetzt gehen meine Kinder zur Schule. Ich fahre sie selbst jeden Tag dorthin und versuche, sie etwa zweimal in der Woche selbst abzuholen. Ansonsten essen wir abends gemeinsam und ich bringe sie jeden Abend ins Bett. Ich versuche, da einen guten Ausgleich zu finden.

Anine Bing in einem Mercedes

Sie haben viel Erfahrung, Ihr Leben online darzustellen. Ist es schwierig, zwischen dem, was Sie online von sich preisgeben, und Ihrem Privatleben zu trennen?

Nein, das ist nicht schwierig. Wenn ich zu Hause bin in meinen Jogginghosen mit meinen Kindern … ist das auch schön, einfach daheim zu sein und zu entspannen. Es ist eine bewusste Entscheidung, was ich zeige und was nicht.

Wir fahren nun in Ihren Store. Sie werden ihn selbst das erste Mal sehen. Was ist für Sie am aufregendsten daran, einen Store in Berlin zu haben?

Das ist sehr aufregend! Ich hoffe wirklich, der Laden passt hierher. Berlin als Stadt ist so cool. Ich komme gern hierher und lasse mich inspirieren, von dem Stil und der Art, wie sich Frauen hier kleiden. Die Leute hier haben wirklich einen coolen persönlichen Stil, den ich mag und zu dem Anine Bing, glaube ich, gut passt.

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Was ist der perfekte Alltags- und Business-Look?

Auf jeden Fall Röhrenjeans, beim Business Look würde ich dazu eine Seidenbluse tragen, darüber je nachdem, was für ein Job das ist, entweder einen Blazer oder, bei weniger strenger Kleiderordnung, eine Lederjacke. Bei den Schuhen entweder Pumps in einem etwas schickeren Büro oder einfach coole Halbstiefel.

Sind Sie eine Person, die sagen würde „Ich habe definitiv eine Art Uniform“, oder mischen Sie lieber mehrere Stücke miteinander?

Mischen und kombinieren, sodass es immer mühelos und lässig aussieht. Es wird keinen Tag geben, an dem Sie mich in einem verrückten rosa Outfit sehen … Ich würde immer etwas mit der gleichen Art von Elementen machen. Sie sehen mich daher immer in Lederhosen oder Jeans. Es ist zwar einfach, aber sowieso mag ich Rock-Style – auch mal anders kombiniert.

Anine Bing in Berlin

Ihr Label präsentiert eine ständig wechselnde Kollektion, nur einige Kernstücke bleiben gleich. Warum haben Sie diese Basics ausgewählt und welche sind das?

Über die Jahre habe ich herausgefunden, was die Leute lieben. Das begann mit unseren Charlie-Boots. Wir haben dann eine klassische Lederjacke und ein paar Jeans hinzugefügt und nannten dies unsere Kernkollektion, die wir immer anbieten. Die Stücke sind zeitlos und sehen jedes Jahr wieder cool aus. Ich habe eine monatliche Kollektion, die etwas trend-orientierter ist. Es ist jetzt Herbst und die gesamte Kollektion ist im Stil der 1970er-Jahre. Das sind die Stücke, bei denen ich mehr riskiere, während die anderen immer klassisch und zeitlos bleiben.

Können Sie mit Ihren zwölf Kollektionen pro Jahr noch Pause machen vom Modebusiness? Wie sieht Ihr Jahresterminplan aus?

Als wir die Marke gerade neu aufbauten, nahmen wir uns keinen einzigen Tag frei. Wir haben samstags, sonntags, jeden Tag gearbeitet. Wir waren fast ausgebrannt und beschlossen, dass wir alle sechs Monate Urlaub brauchen. Alle sechs Monate versuchen wir, als Familie einige Tage wegzufahren, einfach abschalten. Zum Glück habe ich jetzt ein gutes Team, ich kann es mir erlauben. Aber natürlich erreicht man mich immer. Ich muss also nicht mehr jeden Tag im Büro sein.

Könnten Sie sich eine Modenschau Ihrer Marke vorstellen?

Man soll niemals nie sagen. Das ist aber etwas ganz anderes. Wer weiß, vielleicht denke ich in fünf Jahren, dass ich genau das möchte – aber nicht jetzt. Ich bin sehr glücklich mit dem aktuellen Konzept. Es gibt bereits genügend zu tun, daher würde ich mir den Stress einer Modenschau nicht zusätzlich antun.

Anine Bing in ihrem Laden

Vielen Dank für das Interview und noch mal herzlichen Glückwunsch zur Eröffnung Ihres Stores!