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Franziska von Hardenberg, Gründerin von BLOOMY DAYS

Bloomy Days founder Franziska von Hardenberg
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Franziska von Hardenberg hat mit der Gründung von BLOOMY DAYS, Deutschlands erstem Online-Blumenabo, einen Volltreffer gelandet. Uns hat die erfolgreiche Entrepreneurin, die außerdem Mutter einer anderthalbjährigen Tochter ist, verraten, was eine gute Chefin ausmacht und wo sie in politischen Dingen noch Nachholbedarf sieht.

Franziska, das Startkapital für die Gründung von BLOOMY DAYS musstest du über Crowdfunding einsammeln, weil Banken die Finanzierung ablehnten. Auch den staatlichen Gründungszuschuss hast du nicht bekommen. Wie hast du es geschafft, trotz dieser Rückschläge durchzuhalten?

Bei einer Gründung sind solche Rückschläge normal und trotzdem gefühlt immer unüberwindbar. Mir hat es geholfen, mir vorzustellen, dass ich einen Berg ja auch nicht auf direktem Weg besteigen muss. Es ist oft etwas einfacher, sich in Serpentinen bis zur Spitze hochzuarbeiten – und am Ende kommt man an das gleiche Ziel. Ich habe vor der Gründung bewusst fünf Jahre lang angestellt gearbeitet, um Erfahrung und Sicherheit zu sammeln. Es war ja nicht garantiert, dass alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. Wenn nicht, hatte ich etwas, auf das ich zurückgreifen konnte. So bin ich trotz der vielen Herausforderungen recht entspannt in die Gründung gestartet. Das ist eine ganz andere Herangehensweise als bei vielen Männern, die direkt aus dem Studium heraus gründen und denen es relativ egal ist, ob es klappt oder nicht. Das entspricht einfach nicht dem starken Sicherheitsbewusstsein vieler Frauen.

Du engagierst dich auch politisch und initiiertest unter anderem den „Salon Privé“, eine Gesprächsrunde zwischen Politik und Start-up-Szene, zu der ihr im Januar Angela Merkel empfangen durftet. Was kann die deutsche Politik von Gründern lernen?

Ich glaube, dass man als Unternehmer eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung trägt. Was die Digitalisierung angeht, müssen wir in Deutschland achtgeben, dass wir den Anschluss nicht verpassen. Dafür ist es wichtig, dass wir den Dialog zur Politik suchen und klarmachen, wohin die Reise gehen muss. Ich halte Angela Merkel für eine beeindruckende Frau, sie ist wissensdurstig und der Digitalisierung zugewandt. Also haben wir die vierzig führenden Digitalunternehmer in Deutschland eingeladen, damit sie sehen, dass wir an der Spitze jemanden haben, der sich dafür interessiert und einsetzt. Diese Veranstaltung war ein wichtiger Anstoß, aber wir müssen auch in den nächsten Jahren zusehen, dass wir das Thema weiter vorantreiben.

Es ist oft etwas einfacher, sich in Serpentinen bis zur Spitze hochzuarbeiten – und am Ende kommt man an das gleiche Ziel. Franziska von Hardenberg

Gibt es ein anderes Thema, das dir besonders am Herzen liegt und auf das du in deiner Position als Chefin direkten Einfluss nimmst?

Ein Thema, das mir auch politisch besonders am Herzen liegt, ist die Tatsache, dass wir in der Arbeitswelt noch keine Gleichstellung zwischen Mann und Frau haben. In Deutschland wird immer noch ein sehr konservatives Familienmodell gefördert. Das Elterngeld ist fantastisch – das will ich gar nicht in Frage stellen –, aber es benachteiligt Frauen, die früh wieder arbeiten wollen. Das darf nicht sein. Wir müssen ein Modell finden, das es Frauen ermöglicht, flexibel und auch schon nach kürzerer Zeit in ihren Job zurückzukehren und das Elterngeld beispielsweise zu nutzen, um eine Kinderbetreuung zu bezahlen. Bei BLOOMY DAYS versuchen wir, für alle unsere Mitarbeiter, die Kinder bekommen, die bestmögliche und flexibelste Lösung zu finden. Wir müssen aber auch auf politischer Ebene dafür sorgen, dass Frauen, die frühzeitig wieder in ihren Job zurückkehren, finanziell nicht schlechter gestellt werden als diejenigen, die das nicht tun.

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Warum denken wir denn eigentlich immer nur an Frauen, wenn es um die Vereinbarkeit von Kind und Karriere geht?

Es ist interessant, dass man als Frau das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen, wenn man arbeitet. In zwanzig Jahren, wenn meine Tochter ins Berufsleben startet, ist es hoffentlich selbstverständlich, dass Frauen ein Unternehmen führen, Karriere machen und trotzdem Kinder haben können. Es ist aber deutlich schwieriger, das vorherrschende Modell in den Köpfen der Menschen zu ändern, als bessere Rahmenbedingungen für Frauen zu schaffen. Zumal auch Männer, gerade in Führungspositionen, heute an der Gläsernen Decke hängenbleiben, wenn sie einfach ein halbes Jahr weg sind oder nur noch in Teilzeit arbeiten. Natürlich wird sich das irgendwann ändern. Aber bis dieser Paradigmenwechsel erreicht ist, müssen wir dafür sorgen, dass Frauen alle Möglichkeiten offenstehen, um den für sie richtigen Weg zu finden.

Angela Merkel zu Besuch bei Bloomy Days

Was reizt dich daran, Chefin zu sein? Und was macht eine gute Chefin oder einen guten Chef überhaupt aus?

Was einen guten Chef ausmacht, ist zunächst der ständige Prozess, sich mit sich selbst und mit dem Feedback der anderen auseinanderzusetzen. Man muss kontinuierlich hinterfragen, wohin man eigentlich will und was einen selbst antreibt. Bei mir war es die Unzufriedenheit, die sich eingestellt hat, wenn ich in einer Position angestellt war – weil ich immer das Gefühl hatte, es besser zu können. Ich konnte mich zwar mit dem Thema identifizieren und habe wohl auch einen guten Job gemacht, aber abends kam ich nach Hause und war frustriert, weil ich das Gefühl hatte, ich könne das alles schneller, besser, effizienter. Dass ich nun selbst entscheiden kann, ist für mich eigentlich die größte Freiheit, die ich als Chef habe. Es ist ein lebenslanger Lernprozess, aber es macht mich zufrieden, Dinge bewegen zu können. Es ist am Ende des Tages zwar nie so, dass ich alleine entscheide, aber es beruhigt mich, mir vorzustellen, dass ich etwas einfach machen kann, wenn ich es wirklich will.

Und wohin wird es mit BLOOMY DAYS unter deiner Führung zukünftig gehen?

Wir haben ja mit dem ersten Blumenabo in Deutschland angefangen. Jetzt, wo wir uns etabliert haben, nehmen wir uns jeden Bereich vor, der mit Blumen zu tun hat, und revolutionieren ihn. Diese Disruption ist das, was mir am meisten Spaß macht. Irgendwann soll jeder nur noch an BLOOMY DAYS denken, sobald er an Blumen denkt. Das ist mein Ziel.

Blumen von Bloomy Days

Und wo sind Blumen oft am schlechtesten? Ganz klar: an Tankstellen. Auch dafür haben Franziska von Hardenberg und BLOOMY DAYS bereits eine Lösung entwickelt. Am 5. Mai startet die Testphase der neuen „BLOOMY BAGS“ an ausgewählten TOTAL-Tankstellen. Die Blumentüten sehen nicht nur gut aus, sondern halten die Blumen auch besonders lange frisch, ohne dass sie auf Wasser stehen müssen. So macht auch das Blumenkaufen in letzter Minute künftig wieder Spaß.

Vielen Dank für das Interview!