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Lea Lange und JUNIQE: Eine Start-up-Erfolgsgeschichte.

Junique-Gründerin Lea Lange.
© Jennifer Frey
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Seit Anfang 2014 ist JUNIQE auf dem Markt – und inzwischen eines der erfolgreichsten deutschen Start-ups. Wir sprachen mit Gründerin Lea Lange darüber, wie der märchenhafte Aufstieg von JUNIQE mit ihren beiden Mitgründern begann. Ihr Erfolgsrezept: einfach machen.

Lea, vergangenes Jahr wählte das Forbes Magazine dich auf seine „30 under 30“-Liste, damit gehörst du offiziell zu den 30 erfolgreichsten Unter-30-Jährigen Europas. Wie kam es dazu? Wo begann eure Erfolgsgeschichte?

Mein Mitgründer Marc und ich haben ursprünglich bei dem kleinen, aber sehr erfolgreichen E-Commerce-Start-up Casacanda in Berlin gearbeitet. Nach nur sechs Monaten wurde Casacanda von Fab.com übernommen. Dadurch hatten wir sehr schnell sehr hohe Budgets – wir wurden also einfach ins kalte Wasser geworfen. Nach zweieinhalb Jahren waren Marc und ich uns sicher, dass wir das nächste Mal nicht nur als Mitarbeiter Eins und Zwei dabei sein, sondern selbst gründen wollten. Die Geschäftsidee kam dann eher aus dem Privaten. Ich habe eine große Leidenschaft für Design und kann viel Zeit damit verbringen. Doch auch für jemanden wie mich ist es unheimlich schwer, Dinge für die Wände zu finden, wenn man sich nicht an echte Kunst wagen möchte – und vielleicht auch nicht die entsprechende Zahlungsbereitschaft hat –, aber eben auch nicht zu IKEA gehen will. Wir hatten das Gefühl, dass es dafür einen Markt gibt. So war die Idee zu JUNIQE geboren.

© Links: Maxi Knust; rechts: Chris Santos für sisterMag

Glaubst du, dass es für den eigenen Erfolg wichtig ist, sich eine Nische zu suchen, für die man sich begeistern kann?

Ich glaube nicht, dass jeder es so handhabt. Aber natürlich fallen dann gerade beim Gründen viele Dinge leichter – angefangen damit, dass man in den ersten Jahren Tag und Nacht arbeitet. Das geht nur, wenn man wirklich dafür brennt. Gleichzeitig muss man viele Parteien immer wieder von der eigenen Idee überzeugen. Seien es Investoren, damit sie sich weiterhin finanziell beteiligen, Mitarbeiter, die vielleicht einen anderen Job aufgeben sollen, oder unsere Künstler, die die Zusammenarbeit mit uns natürlich wollen müssen. Ich bin überzeugt davon, dass man keine authentische Überzeugungsarbeit leisten kann, ohne mit Feuer und Flamme dabei zu sein. Und natürlich ist die Gründung eine Phase, in der es viele Höhen und Tiefen gibt. Wenn man für seine Idee nicht brennt, hält man das nicht bis zum Ende durch.

Woher kamen bei dir der Wille und der Mut, dich mit Mitte 20 schon auf diese Höhen und Tiefen einzulassen – und auf dieses Risiko?

Für mich war schon während der Casacanda-Zeit klar, dass das mein nächster Schritt sein würde. Gerade die Anfangsphase, in der man viel bewegt, hat mir damals am meisten Freude bereitet. Ich bin ein Machertyp, ich will Dinge anpacken und aufbauen. Darauf habe ich mich auch bei JUNIQE konzentriert. Ich habe mich eigentlich nie hingesetzt und überlegt, was passieren könnte oder würde. Wir mussten in einer ziemlich hohen Geschwindigkeit viele Sachen anstoßen und über die Bühne bringen. Meine Herangehensweise war immer: einfach machen.

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  • Junique-Gründerin Lea Lange.
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    © Ann-Catherine Scoffoni
  • Büro von Junique.
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    © Chris Santos für sisterMag
  • Schreibtisch mit Dekoartikeln.
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    © Chris Santos für sisterMag
  • Bürowand mit Bildern.
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    © Chris Santos für sisterMag
  • Junique-Gründerin Lea Lange.
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    © Chris Santos für sisterMag

Was würdest du einer Frau raten, die heute davon träumt, ihre eigene Geschäftsidee zu verwirklichen?

Auf jeden Fall muss man sich bewusst sein, dass man ein Unternehmen nicht einfach so nebenbei führt. Man muss sehr viel Zeit und Ressourcen investieren. Ein anderer wichtiger Aspekt ist das, was ich gerade beschrieben habe: nicht alle Entscheidungen endlos von allen Seiten beleuchten, sondern einfach machen und sich trauen, wenn das Bauchgefühl sagt, dass es das Richtige ist. Egal, in welche Richtung es am Ende laufen sollte, viel lernen wird man auf jeden Fall. Außerdem glaube ich, dass es wichtig ist, die eigene Idee wirklich zu durchdenken und kontinuierlich dafür zu sorgen, dass sie noch besser wird. Bei uns gab es nie eine Phase, in der wir dachten, wir könnten uns jetzt erst mal zurücklehnen. Gerade am Anfang gibt es aber auch so viel zu tun, dass man unmöglich alles schafft. Die Frage ist also: In welche Themen investiere ich meine Zeit? Man darf sich nicht darin verlieren, Hunderte kleine Sachen zu machen. Als Gründer muss man lernen, Aufgaben zu delegieren.

Wenn man für seine Idee nicht brennt, hält man das nicht bis zum Ende durch. Lea Lange

Hast du das Gefühl, dass Frauen sich bei der Unternehmensgründung anderen Herausforderungen stellen müssen als Männer?

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich, dass es immer noch eine Rarität ist, wenn eine Frau gründet, was sehr schade ist. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass die Gründung eines Unternehmens immer unheimlich viele Herausforderungen mit sich bringt und man viel investieren muss. Es gibt ein hohes Frustrationspotenzial. Das gilt für mich, aber genauso auch für Marc und Sebastian. Viel mehr als das Geschlecht steht bei einer Start-up-Gründung die Performance im Vordergrund. Daran entscheidet sich, ob Investoren an die Idee und das Team glauben. Übrigens bin ich ein Fan von gemischten Teams und überzeugt, dass sie große Vorteile bringen können.

Wand mit Postkarten.
© Chris Santos für sisterMag

Was wünschst du dir für das Jahr 2017?

Wir haben bei JUNIQE natürlich immer Umsatzziele, die wir erreichen wollen. Was für uns aber eigentlich noch wichtiger ist und was für viele Start-ups zu einer echten Herausforderung wird, ist, dass wir nachhaltig wachsen und diese gewisse Unternehmensgröße erreichen wollen. Deshalb wünsche ich mir natürlich, dass auch meine Mitarbeiter sich weiterentwickeln und weiterhin mit Spaß und Feuereifer bei der Sache sind, damit wir zusammen dorthin kommen. Das wünsche ich mir übrigens auch für mich.

Und für die nächsten fünf Jahre? Werden wir 2022 immer noch Debatten über den Gender-Pay-Gap oder Frauenquoten für Aufsichtsräte und Vorstände führen? Sind das Themen, mit denen ihr euch bei JUNIQE beschäftigt?

Natürlich ist das für mich ein präsentes Thema, das immer wieder an mich herangetragen wird, sei es durch Journalisten oder Veranstaltungen, die gerne einen weiblichen Speaker auf der Bühne hätten. Bei JUNIQE ist es allein schon deshalb ein Thema, weil wir etwa 60 Prozent Frauen im Team haben. Ich bin aber eigentlich überzeugt, dass wir ein echtes Umdenken nur durch Taten erreichen. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, mehr Frauen, die uns zeigen, dass alles möglich ist, und Erfolgsgeschichten, die andere Frauen ermutigen, ihr eigenes Ding zu machen. So, wie es im Moment aussieht, ist dieses Umdenken aber wohl noch ein etwas längerer Prozess.

Vielen Dank für das Interview!