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Der Bau der Zukunft

Das Lofoten Opera Hotel
Das Lofoten Opera Hotel © Snøhetta & MIR
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Jette Hopp von Snøhetta über gesellschaftlichen Wandel durch Architektur.

Wie werden wir in Zukunft wohnen, arbeiten und leben? Welchen Problemen werden wir uns dabei stellen müssen und welche überraschenden Lösungen werden womöglich gefunden? Die norwegische Architektin Jette Hopp, die bei der me Convention als Expertin zum Thema „New Urbanism“ gesprochen hat, gibt uns einen Einblick in ihre Arbeit und in die Herausforderungen, die die Stadt von morgen mit sich bringen wird. Die me Convention ist ein neues Konferenzformat von Mercedes-Benz und South by Southwest (SXSW), das Technologie-, Design- und Kreativindustrien in einem Dialog über die Zukunft zusammenbringt.

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  • Jette Hopp
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    Jette Hopp © Snøhetta
  • Snøhetta Team
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    Das interdisziplinäre Team von Snøhetta. © Snøhetta
  • Social Change Architecture
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    Social Change Architecture © Lorne Bridgman

Jette Hopp, die für die Architektur- und Designfirma Snøhetta arbeitet, folgt der Philosophie, dass Architektur sowohl zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann als auch einen großen Einfluss darauf hat, wie wir zukünftig als Gemeinschaft leben werden. Jette arbeitet mit einem interdisziplinären Team, mit dem sie eines ihrer Meisterwerke, das „Powerhouse Kjørbo“ bei Oslo, realisiert hat. Es ist das erste Bürogebäude in Norwegen, das mehr Energie produziert, als es verbraucht, und damit ein radikales Verständnis von Nachhaltigkeit transportiert.

Wir haben auf der me Convention schon viele Gedanken zum Thema „Zukunft“ gehört. Was für ein Gefühl haben Sie, wenn Sie an die Zukunft denken?

Als Architektin muss ich einfach optimistisch sein, was die Zukunft anbelangt. Aber es gibt natürlich große Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, besonders wenn es um Nachhaltigkeit oder das rasante Wachstum der Weltbevölkerung geht. Architekten haben eine große Verantwortung, wenn es darum geht, Lösungen für diese Probleme zu finden. Wir können die Welt wirklich besser machen, wenn wir unsere Umwelt verantwortungsvoll gestalten. Ein weiterer Grund für meinen Optimismus liegt darin, dass ich an die Schönheit von Architektur als Kunstform glaube.

King Abdulaziz Centre in Saudi Arabien
King Abdulaziz Centre for World Culture in Saudi-Arabien © Snøhetta & MIR

Ein Teil dieser Zukunft ist die Idee des „New Urbanism“. Was bedeutet der Begriff für Sie?

New Urbanism heißt für mich, dass wir uns als Architekten mit einem größeren Komplexitätsspektrum befassen müssen als jemals zuvor. Dabei müssen wir politische und soziale Kontexte in unsere Überlegungen einbinden. Es gibt extrem viele Aspekte, die in das Konzept, das wir gemeinhin einfach „Stadt“ nennen, einfließen. Diese müssen berücksichtigt werden. Außerdem müssen wir das richtige Handwerkszeug haben, um dieses Wissen für unsere Arbeit als Architekten zu übersetzen und dort fruchtbar zu machen.

Times Square
Der Umbau des Times Square verwandelte eine notorisch überfüllte Kreuzung in einen der besten öffentlichen Orte der Welt. © Michael Grimm

Haben Sie das Gefühl, dass Sie mit Projekten wie „Powerhouse Kjørbo“ einen Schritt voraus sind? Oder müssten nicht eigentlich schon alle Gebäude so nachhaltig sein?

Es ist eine Tatsache, dass wir unseren CO2-Ausstoß reduzieren müssen. Das sollte im Augenblick eine unserer größten Dringlichkeiten und Aufgaben sein.

Und ja, manchmal fühle ich mich ein bisschen überwältigt. Aber ich versuche, auch in solchen Momenten eine optimistische Sichtweise zu bewahren, und sehe Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Ich glaube, es geht darum, Hindernisse in Potenziale zu verwandeln. Das ist es, was mich letztlich antreibt.

Norwegische Nationaloper
Die norwegische Nationaloper: das begehbare Dach und offene Räume machen das Gebäude eher zu einem sozialen als zu einem architektonischen Denkmal. © Jens Passoth

Brauchen wir wirklich modernste Technologie und die Digitalisierung, um nachhaltige Häuser zu bauen? Was macht die Technologie für nachhaltiges Bauen so entscheidend?

Obwohl Technologie an sich keine Lösung ist, ist sie aber auf jeden Fall notwendiger Bestandteil des Gesamtansatzes. Wir müssen eine Wechselwirkung zwischen dem analogen und dem digitalen Element forcieren. So können wir zum Beispiel Solarenergie nutzen, was sehr nachhaltig ist. Allerdings könnten wir sie ohne technische Werkzeuge nicht nutzen. Das geht Hand in Hand.

Aus meiner Perspektive brauchen wir auch die „skizzierende Hand“. Sie steht für die Beziehung zwischen dem Körper und dem Raum, da sie einfach eine andere Erfahrung bietet – eine physische Erfahrung, die unsere kreative Denkweise unterstützt.

7th Room Hotel in Schweden
„The 7th Room“ ist Teil eines Hotelkomplexes in Nordschweden. © Johan Jansson

Wenn wir schon über die Zukunft, neue Technologien und die Weitergabe von Ideen reden: Was können wir aus der Vergangenheit lernen?

In Sachen Nachhaltigkeit können wir definitiv aus der Vergangenheit lernen. Alte Kirchen, zum Beispiel, wurden für die Ewigkeit gebaut. Was kann nachhaltiger sein als das? Es geht um den Wert von Raum und Material.

Der langlebige Aspekt aller Materialien ist etwas, das wir von früheren architektonischen Arbeiten übernehmen sollten. Wir tun allerdings das genaue Gegenteil und denken, sobald wir ein neues Gebäude geschaffen haben, gleich wieder daran, wie wir es abreißen können, wenn es uns nicht mehr gefällt.

Die Geschwindigkeit, mit der moderne Städte erbaut werden, sollte etwas verringert werden. Städte, die die Möglichkeit hatten, langsam zu wachsen, beeindrucken uns bis heute mit der Schönheit ihrer öffentlichen Räume – sie ermöglichen es den Menschen, sich zu treffen, zu kommunizieren, und dadurch entstehen letztendlich Gemeinschaften. Wir nutzen diese Beispiele für unsere Arbeit. Wir sehen uns alte Städte an und analysieren, was sie attraktiv macht. Die Frage, die wir uns stellen, lautet: „Wie können wir diese zeitlosen Qualitäten neu interpretieren?“ Wir versuchen, diese Informationen in einen neuen Kontext zu stellen und so die Lektionen, die wir von einer alten Stadt lernen, für die Zukunft zu nutzen.

Danke für das interessante Interview, Jette!