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Leyla Piedayesh: Creative Director & Founder von lala Berlin

Gründerin des Modelables Lala Berlin Leyla Piedayesh
© Nada Lottermann und Vanessa Fuentes
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Leyla Piedayesh ist Gründerin von lala Berlin und als Creative Director verantwortlich für alle Entwürfe, die das Haus des jungen Berliner Labels verlassen. Heute, nach dreizehn erfolgreichen Jahren seit der Gründung 2004, haben sich Leyla Piedayesh und lala Berlin auch international einen Namen gemacht.

2004 die Gründung, 2006 die Eröffnung der ersten Boutique, 2007 die Nominierung für den New Generation Award auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin – und heute internationales Aushängeschild des Berliner Chics. Leyla, wie hat dieser rasante Erfolg dein Leben verändert?

Manchmal fühlt man sich wie in einem Hamsterrad, da sich die gesamte Fashion-Industrie in sehr schneller Geschwindigkeit bewegt. Es ist ein Balanceakt zwischen Kreation, Management und Kommunikation. Der Erfolg hat mir viel Positives gegeben, aber ich habe auch immer wieder Zweifel, da ich sehr selbstkritisch bin. Man darf Erfolg nicht so wichtig nehmen. Man muss einfach gelassener sein. Ich versuche, mir nicht so oft so viele Gedanken zu machen. Zu viele Gedanken verderben das Leben, deshalb habe ich es mir abgewöhnt. Ich grübele nicht über die Vergangenheit nach und zerbreche mir nicht den Kopf über die Zukunft, ich versuche im Jetzt zu leben, weil ich gemerkt habe, dass das glücklicher macht. Auf jeden Fall hat die Schnelligkeit mein Leben verändert.

Wie schaffst du es, trotz der vielen Dinge, um die du dich zu kümmern hast – Modelauswahl, die Organisation der Shows, neue Mitarbeiter, das Wachstum, das ihr anstrebt –, noch genügend Freiräume für Kreativität zu haben? Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich finde meine Inspiration im täglichen Leben, in meinem Umfeld und Freundeskreis, vor allem aber in meiner Tochter Lou! Natürlich füttert mich mein irre tolles Team auch. Dennoch ist nicht zu verkennen, dass die sozialen Medien und das Feedback, das man dort bekommt, auch einen Einfluss haben.

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  • Model in einem gestreiften Pullover in Rottönen bei einer Show von lala Berlin
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    © Helle Moos
  • Fashion Show von Lala Berlin bei der Mercedes-Benz Fashion Week
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    © Helle Moos
  • Model trägt ein bodenlanges graues Kleid und einen langen roten Cardigan bei der Show von lala berlin
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    © Helle Moos
  • Model trägt einen schwarzen Pullover mit Aufdruck und ein Kleid von Lala Berlin
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    © Helle Moos

Du bist in Teheran geboren und besitzt sowohl die deutsche als auch die iranische Staatsbürgerschaft. Beeinflusst die persische Kultur, dieser Hang zum Überfluss und zum Verspielten, deine Kreationen?

Ich bin mit neun Jahren aus dem Iran weggezogen, spreche Farsi und habe von meinen Eltern viel von der Kultur mitbekommen. Dennoch wurde mir erst durch meine Iranreise 2016 und die Wiederkehr nach langer Zeit bewusst, wie viel Einfluss meine Herkunft auf meine Kollektionen hat. Die Farben, das Mosaik, die Teppiche. All das ist doch sehr stark in mir verwurzelt. Aber ich bringe mich in die Mode als ganzer Mensch ein. Man ist in der Mitte seines Lebens eben doch ein Schmelztiegel seiner Erfahrungen.

Du bezeichnetest dich früher selbst als unpolitisch, nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat sich das offenbar geändert. Gegen den „Travel Ban“ bezogst du Anfang des Jahres ganz bewusst Stellung. Darf Mode in solchen Zeiten überhaupt noch unpolitisch sein?

Mode und Politik habe ich geistig immer strikt voneinander getrennt, aber jetzt leben wir ja in ganz anderen Zeiten, wo Politik einem näher rückt als jemals zuvor. Das aktuelle Weltgeschehen muss uns beschäftigen. Letztendlich geht es darum, wie wir alle leben, und auch darum, dass wir anfangen müssen, für die Welt einzustehen und zu schauen, an welchem Punkt wir ansetzen können, um zu helfen.

© links: Helle Moos; rechts: Nada Lottermann und Vanessa Fuentes

Ich grübele nicht über die Vergangenheit nach und zerbreche mir nicht den Kopf über die Zukunft, ich versuche im Jetzt zu leben. Leyla Piedayesh

Deine Herbst-/Winter-Kollektion 2017/18 stand unter anderem unter dem Motiv „Think, Change, Revolution“. Wenn du eine Revolution anführen würdest: Was würdest du ändern? In Deutschland oder in der Welt?

Klimawandel, Bevölkerungswachstum und die Ressourcen, die wir pro Kopf verbrauchen. Ich wünsche mir, dass wir nachhaltiger agieren. In allen Industriezweigen sind wir zu schnell vorgedrungen, ohne nachzudenken. Da ist die Modebranche nicht von ausgeschlossen – man spürt auch hier die Bewegung. Weniger ist mehr!

Du bist Mutter einer kleinen Tochter. Hat das Muttersein deine Sicht auf diese Dinge und auch auf die Modeindustrie vielleicht verändert?

Ich denke, das Muttersein hat viele Dinge und Ansichten verändert. Wenn ich meine Tochter ansehe, wird mir bewusst, was im Leben wirklich wichtig ist.

Vielen Dank für das Interview!

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  • Model präsentiert die Kollektion vom Berliner Label Lala Berlin
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    © Helle Moos
  • Model in einem schwarzen Turtleneck-Pullover und einem Blazer von lala Berlin
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    © Helle Moos
  • Gruppenbild von Models von lala Berlin
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    © Helle Moos
  • Model trägt einen orange-roten Pullover mit dem Schriftzug
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    © Helle Moos
  • Model trägt ein schwarzes Lederkostüm von lala Berlin auf dem Laufsteg
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    © Helle Moos