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Von der Kunst, einfach zu leben

ADAY-Gründerinnen Meg He und Nina Faulhaber lehnen sich an eine Wand
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Minimalistische Schnitte, hochwertige Stoffe, nachhaltiges Design und – ganz wichtig – Komfort: Das Modelabel ADAY entwirft Kleidung, die Frauen ganz unkompliziert durch den Alltag begleitet, vom Büro ins Fitnessstudio bis auf die Party am Abend. Was genau hinter der Designphilosophie steckt und wie die richtige Kleidung dazu befähigen kann, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren, haben uns die Gründerinnen in ihrem Studio im New Yorker Stadtteil SoHo erzählt.

Die Geräusche der Stadt dringen durch die weit geöffneten Fenster des hellen Büros an der Lafayette Street, in dem die Mitarbeiterinnen von ADAY Stoffe und Schnittmuster vergleichen, Bestellungen bearbeiten und eine Kundin beraten. Es ist Rushhour in New York. Die Straßen sind überfüllt, Autos kriechen im Schritttempo voran, ein Bus bahnt sich hupend einen Weg durch das Chaos. Die Fenster zu schließen, ist heute jedoch undenkbar: Die Klimaanlage ist ausgefallen und der träge rotierende Ventilator kann die Hitze kaum aus den Räumen vertreiben. „Wer in einem Start-up arbeitet, muss auch mal mit schwierigen Bedingungen klarkommen“, sagt Nina Faulhaber und lacht.

Ein Start-up zu gründen bedeutet, die eigene Vision in die Realität umzusetzen. Meg He

Trotzdem könne sie sich nicht vorstellen, etwas anderes zu tun als genau das hier. „Ich wollte immer ein eigenes Unternehmen gründen. Etwas, für das ich die volle Verantwortung trage“, sagt die gebürtige Frankfurterin. Ihre Mitgründerin Meg He sieht es ähnlich. „Ein Start-up zu gründen bedeutet, die eigene Vision in die Realität umzusetzen.“

Wie ihre Vision aussieht? Ebenso ästhetische wie vielseitige Kleidung zu entwerfen, die Frauen nicht nur zur Arbeit, sondern durch den ganzen Tag begleiten kann, zum Sport ebenso wie ins Nachtleben. „Wir designen die Kleidung, die uns selbst gefehlt hat“, sagt He, die in Peking und London aufgewachsen ist. „Schöne, vielseitige, komfortable Kleidung für Frauen, die viel unterwegs sind, gerne Sport treiben, sich mitunter aber auch die Nächte im Büro um die Ohren schlagen.“

Diskussion bei ADAY

Die Idee zu ADAY sei den beiden während ihrer Zeit als Investmentbankerinnen in London gekommen. Dort powerten sie sich durch 120-Stunden-Wochen und erfuhren dabei, wie schwer es ist, einen aktiven Lebensstil in einen Alltag zu integrieren, der von Deadlines und Überstunden geprägt ist.

„Aktiv zu sein, ist uns sehr wichtig. Wir treiben viel Sport, sind aber auch überzeugt davon, dass selbst kleinste Dinge einen großen Unterschied machen – die Treppen zu nehmen statt des Aufzugs zum Beispiel oder die Mittagspause zum Spazierengehen oder Joggen zu nutzen“, sagt He, die bouldert, Marathons bestritten und eine Ausbildung zur Yogalehrerin absolviert hat. Selbst diese Dinge würden aber erschwert, wenn der Dresscode im Büro eine Bluse und einen Hosenanzug erfordere.

Porträts von Nina Faulhaber und Meg He in ihrem Büro

„Wir haben uns in unseren Sportsachen immer viel wohler gefühlt als in der Kleidung, die wir im Büro tragen mussten“, erklärt Faulhaber. Sie hat in ihrer Jugend auf Wettbewerbsniveau geturnt und beginnt ihre Tage oft damit, entlang des East Rivers und über die Williamsburg Bridge zu joggen. „Die Art, in der diese Kleidung verarbeitet ist, unterstützt uns, wenn wir uns bewegen, anstatt uns zurückzuhalten.“

Also beginnen Faulhaber und He, darüber nachzudenken, wie sie ihre Kleidung weiterentwickeln und verbessern können. Und fangen an, klassische Kleidungsstücke neu zu interpretieren. Wie die Hemdbluse, die sie aus einem Elastangemisch fertigen lassen, was Bügeln oder die chemische Reinigung überflüssig macht. Oder die Leggins, deren Nähte geklebt werden, um sie noch elastischer und bequemer zu machen – und die sich nach der Arbeit auch noch zum Yoga oder Laufen anziehen lässt.

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Mit ihren Designs und Fertigungstechniken wollen Faulhaber und He Basics schaffen, die sich immer und überall tragen lassen. Damit möchten sie ihren Kundinnen nicht nur einen aktiven Lebensstil ermöglichen: Sie wollen ihnen auch dabei helfen, ihr Leben einfacher zu gestalten. „Als Kind habe ich nie über Kleidung nachgedacht. Sie war einfach da“, erklärt Faulhaber. Später habe sie dann angefangen, ihre Garderobe regelmäßig auszutauschen – ein Verhalten, das sie heute kritisch hinterfragt: „Unser Konsumverhalten ist darauf ausgelegt, in jeder Saison neue Kleidung zu kaufen.“ Das habe sie gemeinsam mit He ändern wollen. „Wir verwenden so viel Zeit und Geld darauf, uns neue Outfits zuzulegen. Ich habe mir gewünscht, dass Kleidung für mich wieder zum ,non-issue‘ wird“, sagt Faulhaber.

Wer in einem Start-up arbeitet, kommt niemals an. Es geht vielmehr darum, sich immer weiterzuentwickeln. Nina Faulhaber

„Wir wollen die Menschen dazu bewegen, weniger zu konsumieren“, stimmt He ihr zu. „Und das gilt eben auch für Kleidung.“ Wer sich nicht den ganzen Tag mit seinem Outfit befassen müsse, habe den Kopf und die Zeit, sich für andere, sinnvollere Dinge einzusetzen. Zum Beispiel dafür, ein erfolgreiches Unternehmen zu führen und die Entscheidungen zu treffen, die es wachsen lassen.

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Für Faulhaber und He bedeutete dies, ihren Hauptsitz von London nach New York City zu verlegen. Weil die beiden Frauen das Treiben der Stadt ebenso schätzen wie die Möglichkeiten, die sich ihnen hier bieten. „In SoHo treffen viele unterschiedliche Gruppen aufeinander“, sagt He. „Alteingesessene Unternehmer auf Start-ups beispielsweise oder Anwohner auf Touristen. In dieser Gemengelage entstehen die tollsten Dinge.“

Die Stadt diene dabei nicht nur als Inspiration für die geplante Erweiterung ihrer Kollektion, sondern ermögliche auch den Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern und treibe ADAY so immer weiter voran. Genau so solle es sein: „Wer in einem Start-up arbeitet, kommt niemals an. Es geht vielmehr darum, sich immer weiterzuentwickeln“, erklärt Faulhaber. Jeden Tag warte eine neue Aufgabe. Das könne die Eröffnung eines Pop-up-Stores sein oder die Auswahl eines neuen Stofflieferanten. Oder aber, sich mit der Reparatur einer ausgefallenen Klimaanlage zu beschäftigen.