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Die Goldkünstlerin

Schmuckdesignerin Saskia Diez © Julian Baumann

Saskia Diez gilt längst als feste Größe in der deutschen Mode- und Kreativszene. Auf einer Taxifahrt durch München spricht die Designerin mit uns über ihre Inspiration, die Bedeutung von Design im Alltag und die Unvergänglichkeit von Schmuck.

Der erste Schritt nach dem Abitur führt nach Paris: Ein knappes Jahr verbringt Saskia Diez in der französischen Hauptstadt, ehe sie zurück nach Deutschland kommt und in München eine Ausbildung zur Goldschmiedin beginnt. Später studiert sie Industriedesign und legt bei renommierten Designern und Firmen wie Christian Haas, Konstantin Grcic, Rosenthal oder Authentics die Grundsteine für ihre Karriere. 2009 eröffnet sie im Münchner Glockenbachviertel ihr eigenes Atelier. Dort entstehen seither ihre unverwechselbaren Schmuckstücke – minimalistisch und trotzdem feminin. Eben so, wie sie selbst sie am liebsten trägt.

Saskia Diez in ihrem Showroom im Münchner Glockenbach-Viertel © Julian Baumann

She’s Mercedes: Sie sind nicht nur Schmuckdesignerin, sondern auch Mutter von drei Kindern und Businessfrau mit mehreren Angestellten. Wie gelingt es Ihnen, Privates und Berufsleben zu vereinen?

Wenn man kreativ arbeitet, kann und will man die Grenze zwischen Arbeit und Privatem gar nicht so genau ziehen. Was ist denn Arbeit und was nicht, wenn man es mit so viel Leidenschaft macht? Einen kreativen Prozess kann man ja nicht einfach an- und abstellen. Natürlich hängt auch viel an einem, wenn man ein Unternehmen hat: Man ist für seine Mitarbeiter verantwortlich und muss viele Entscheidungen treffen. Ich glaube, das Beste, was man tun kann, ist, zu versuchen, glücklich und man selbst zu sein. Dann wird diese Aufteilung ganz schnell sekundär.

Sie entwerfen auch Verlobungs- und Eheringe. Was ist das für ein Gefühl, Schmuckstücke zu entwerfen, die für Ihre Kunden eine derart wichtige Bedeutung haben?

Schmuck ist eine sehr intime Angelegenheit. Jedes Schmuckstück, das man trägt, hat seine Geschichte. Man trägt es oft über lange Zeit, meist direkt auf der Haut. Und selbst, wenn man es irgendwann nur noch selten oder überhaupt nicht mehr trägt: Ein Schmuckstück würde man nie wegwerfen. Es ist meist so eng mit einem selbst verbunden, dass man es lieber aufbewahrt. Das ist etwas, das ich an meiner Arbeit liebe: Mit Leuten verbunden zu sein, über Momente, die meist emotional und bewegend sind. Das trifft natürlich bei Eheringen ganz besonders zu.

Wir leben mit vielen Prototypen in einer Art Provisorium, das sich immer wieder wandelt.

Saskia Diez
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Sie sind mit Stefan Diez, einem der bekanntesten deutschen Designer verheiratet. Welche Rolle spielt der Beruf in Ihrer Beziehung und in Ihrem Alltag?

Natürlich spielt unsere Arbeit eine große Rolle bei allem, was wir tun. Es ist weder für Stefan noch für mich einfach nur ein Job – es ist ein Teil von uns, es steckt sehr viel von uns selbst darin. Vieles ist bei uns vielleicht mehr im Fluss als anderswo. Wenn man sich zum Beispiel ansieht, wie wir wohnen, merkt man, dass es weniger ein fester Zustand ist als eher etwas, das sich laufend ändert. Wir leben mit vielen Prototypen in einer Art Provisorium, das sich immer wieder wandelt. Je nachdem, woran Stefan mit seinem Büro gerade arbeitet. Je nachdem, wie wir es gerade brauchen.

Sie haben gemeinsam drei Kinder. Inwiefern wirkt es sich auf sie aus, dass beide Elternteile Designer sind?

Ich würde eher sagen, dass Design einfach ein natürlicher Bestandteil ist. Nicht so sehr etwas, dem wir eine Rolle zuweisen oder das wir besonders hervorheben. Wenn man sich die Kinderzimmer anschaut, sind das bestimmt keine „Designerzimmer”. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass auch dort haufenweise Prototypen aus Stefans Büro zu finden sind. Selma, Helena und Nikolaus sind gerade noch in einem Alter, in dem das, was wir machen, für sie das Allergrößte ist. Wir werden sehen, was passiert, wenn sich das ändert, aber bisher würde ich sagen: Sie kommen mit vielen Dingen in Berührung, die ihre Welt größer machen. Sie haben Zugang zur Werkstatt, zum Atelier. Sie kommen mit Mitarbeitern aus verschiedenen Ländern in Kontakt, sie erleben, was es bedeutet, sich Dinge auszudenken und dann Realität werden zu lassen.

Stefan fuhr einen Mercedes, als ich ihn kennengelernt habe. Er war tiefergelegt, die Scheiben hinten waren verdunkelt – eigentlich ja ein bisschen unmöglich.

Saskia Diez

Sie haben erwähnt, dass Sie früher einen Mercedes-Benz W126 gefahren sind – seinerzeit entworfen von Chefdesigner Bruno Sacco. Was macht für Sie gutes Fahrzeugdesign aus?

Stefan fuhr so einen Wagen, als ich ihn kennengelernt habe. Er war tiefergelegt, die Scheiben hinten waren verdunkelt – eigentlich ja ein bisschen unmöglich (lacht). Wenn ich eingestiegen bin, war er aber so weich gefedert, dass ich mich fühlte wie in einem Schiff. Zu dieser Zeit hat Stefan viel für Rosenthal gearbeitet, und ich mit ihm, an eigenen und auch an seinen Projekten. Auf den Fahrten dorthin oder auch nach Mailand zur Messe haben wir viele Stunden in seinem Auto verbracht. Ich mochte die geraden Linien außen und innen, das reduzierte Cockpit ohne viel Schnickschnack. Und obwohl der Wagen da schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr produziert wurde, hat man jedes Ersatzteil problemlos bekommen, weil es so ein verbreitetes Modell war. Kaum kaputt zu kriegen.

Sie haben als Designerin bereits vieles erreicht. Gibt es noch einen Traum, den Sie unbedingt verwirklichen, etwas, das Sie unbedingt noch entwerfen wollen?

Oh, da gibt es viele. Kleinere und größere. Aber ich bin ein bisschen abergläubisch, wenn es darum geht, über Dinge zu sprechen, die noch nicht geschehen sind.

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