Leider unterstützt ihre aktuelle Browser-Version nicht alle Technologien dieser Webseite.

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um die Webseite korrekt darstellen und alle Funktionen nutzen zu können.

Die Liebe zum Meer

Kimi Werner mit ihrem Speer
Artikel teilen

Anstatt ihre erfolgreiche Profikarriere weiterzuverfolgen, hat sich Speerfischerin und Apnoetaucherin Kimi Werner für ein Leben fernab vom Siegertreppchen entschieden. Wir haben sie in ihrem Zuhause auf Hawaii besucht, um herauszufinden, warum.

Der Weg zum Kaena Point führt vorbei an hellem Sand und dunklem Lavagestein. Links ragen sanft ansteigende Hügel in den Himmel, rechts erstreckt sich der endlose Ozean. Irgendwann weicht der Highway einer Schotterpiste, danach geht es nur noch zu Fuß weiter. Es fühlt sich an, als würde man auf das Ende der Welt zuhalten. Damit liegt man hier, am westlichsten Punkt der hawaiianischen Insel O’ahu, auch gar nicht so falsch.

Für Kimi Werner markiert der Übergang zwischen Land und Wasser nicht das Ende, sondern das Tor zu einer anderen Welt. Die Frau mit den braunen Augen und den dunklen langen Haaren schultert Flossen, Taucherbrille und einen langen Speer, bevor sie sich auf den Weg zum Wasser macht. Im Morgengrauen tummeln sich hier besonders viele Fische. Nur ist der Morgen nicht mehr grau, die Sonne blitzt bereits hinter den Hügeln hervor. Deshalb müsste sie sich eigentlich beeilen. Es ist nur so, dass Kimi Werner sich nicht gerne von äußeren Umständen diktieren lässt, was sie zu tun hat.

Kimi Werner ist Speerfischerin und Apnoetaucherin. Sie ist Köchin und Jägerin, aber auch Künstlerin – an der Leinwand und im Leben. Sie fängt Fische mit dem Speer, taucht ohne Ausrüstung mehrere Dutzend Meter tief und kann knapp fünf Minuten die Luft anhalten. Sie erlegt Tintenfische mit einem Biss und verteidigt ihre Beute gegen Haie. Es gibt ein Video, das sie mit einem weißen Hai zeigt. Sie berührt das Haiweibchen an der Finne, lässt sich sekundenlang von ihr ziehen. „Sie sah mich nicht als Beute, sondern als Jägerin“, sagt Kimi Werner heute.

Vor allem aber tut Kimi Werner, was sie liebt, und schert sich nicht darum, ob sie damit die Erwartungen anderer erfüllt. Sie geht ihren eigenen Weg, auch wenn es nicht leicht war, ihn zu finden.

Kimi Werner steht neben einem Mercedes-Benz an der hawaiianischen Küste

Mercedes-Benz GLC 300 4MATIC Coupé: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 7,8–7,5 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 177–169 g/km.*

Der Tauchgang heute ist kurz; nach einer knappen Stunde erscheint Kimi Werner wieder am Strand. In ihrer Hand baumeln drei Toau, unscheinbare Fische, die sich oft vor O’ahu tummeln. Die Tiere sind klein, aber das stört die 37-Jährige nicht. Sie ist nicht darauf aus, nur die größten und schwersten Fische zu fangen. Nicht mehr.

Kimi Werner ist eine der besten Speerfischerinnen der Welt – außer Dienst. Sie hat die US-amerikanischen Meisterschaften und internationale Wettbewerbe gewonnen, schwere Fische ebenso wie Sponsorenverträge an Land gezogen, ist in allen Weltmeeren gegen Konkurrenten angetreten, hat einen Sieg nach dem nächsten geholt. Und dann hat sie entschieden, es einfach sein zu lassen. Weil ihr der Erfolg zu viel war? Oder weil sie keine Lust mehr hatte, sich sagen zu lassen, was sie zu tun hatte?

„Es ging nur noch darum, mehr Punkte zu sammeln als die anderen.“

„Nach meinen ersten großen Siegen hat jeder erwartet, dass ich weitermache. Wenn man die ersten Medaillen in den Händen hält, hört man nicht auf. Man muss besser werden, tiefer tauchen, mehr erreichen“, erzählt sie schulterzuckend, fast entschuldigend.

Dabei merkt Kimi Werner schnell, dass sich die Siege hohl anfühlen. Vor allem aber beginnt sie, das zu verlieren, was sie am meisten schätzt: die Zufriedenheit, die sich einstellt, wenn sie sich in die Tiefe gleiten lässt. Das Gefühl, unter Wasser zu schweben, den Druck auf der Haut zu spüren, wenn sie sich vom Abtrieb in die Tiefe ziehen lässt. Die Geräusche des Meeres, den Blick auf die Unterseite der Wasseroberfläche, auf der Sonnenstrahlen tanzen. Der Wettbewerb verzerrt alles. „Es ging nur noch darum, mehr Punkte zu sammeln als die anderen.“

Der Bruch mit der Karriere ist nicht leicht. „Kaum einer meiner Kollegen konnte den Schritt nachvollziehen. Sie warfen mir vor, dass ich mein Talent vergeuden würde.“ Die Sprüche der Kollegen lassen sie zuerst an der Entscheidung und an ihrem Urteilsvermögen, dann an sich selber zweifeln. Tauchpartner wenden sich von ihr ab. Eine Zeit lang meidet sie das Meer, zu schmerzhaft sind die Erinnerungen.

Um zu erklären, wie viel ihr das Meer bedeutet, muss Kimi Werner ausholen. Sie wächst in einer ländlichen Gegend auf Maui auf. Armut prägt die Kindheit, nicht aber Verzicht. Die Hütte mit dem wilden Garten, in der die Familie lebt, ist ein Abenteuerspielplatz für die Kinder. Sie kümmern sich um die Hühner, ernten Gemüse und bereiten Fische zu – in einer mit heißen Steinen ausgelegten Grube, für einen richtigen Herd fehlt das Geld.

Ihr Vater fängt Fische, um die Familie zu ernähren. Kimi Werner begleitet ihn, wenn er auf die Jagd geht. Wenn er sich ins Wasser stürzt, ausgestattet nur mit einem Speer und einem Messer, bleibt sie immer in seiner Nähe. „Ich war zu jung, um selbst zu jagen, also habe ich zugeschaut. Trotzdem konnte ich es jedes Mal kaum erwarten, ans Meer zu fahren.“

Kimi Werner holt ihre Ausrüstung aus einem Mercedes-Benz heraus

Die Idylle schwindet, als der Vater ein Bauunternehmen gründet und die Familie in ein größeres Haus in der Stadt zieht. Kimi Werner muss das wilde Leben ebenso hinter sich lassen wie die Tauchgänge mit ihrem Vater. „Meine Eltern wollten ein besseres Leben für uns. Ein Haus, einen Kühlschrank, Restaurantbesuche. Aber für mich war es, als hätte ich einen Teil von mir verloren.“

Es folgt, was man einen klassischen Lebenslauf nennen könnte. Kimi Werner schließt die Highschool ab, absolviert in O’ahu eine Lehre zur Köchin, arbeitet in einem Restaurant. Die Erinnerungen an die Kindheit im Meer verblassen. Das Gefühl, dass etwas fehlt, bleibt.

Sie macht sich allein auf den Weg – mit einem einfachen Speer und gemischten Gefühlen.

Zunächst vermisst sie vor allem die Verbindung zu den Lebensmitteln, die sie beim Kochen verwendet. „Alles kam aus dem Supermarkt, das meiste war importiert.“ Während die Zweifel an ihrem Beruf wachsen, erfährt sie, dass auf O’ahu Taucher leben, die Fische auf die traditionelle Art fangen: mit Speeren. „Ich wollte unbedingt mit ihnen tauchen. Sie haben mir versprochen, mich mitzunehmen, sich aber dann nie gemeldet“, erzählt sie, ohne nachtragend zu klingen.

Also macht sie sich allein auf den Weg, mit einem einfachen Speer und gemischten Gefühlen. „Ich kam mir mit meinem Speer wie eine Aufschneiderin vor und war unglaublich nervös, weil ich das Riff nicht kannte.“ Sie schwimmt ziellos hin und her, dann übernehmen die Instinkte. Sie erinnert sich an die Bewegungen ihres Vaters unter Wasser und ahmt sie nach. Der erste Fisch, den sie fängt, ist winzig, aber das spielt für sie keine Rolle. „Es war, als hätte ich meine Bestimmung gefunden. Ich habe mich gefühlt wie eine Löwin.“ Vor allem aber fühlt sie sich ­– zum ersten Mal nach langer Zeit – so frei und unbeschwert wie in ihrer Kindheit.

05

„Es hat lange gedauert, bis mir klar geworden ist, dass ich niemals wirklich frei sein werde, wenn ich immer nur das tue, was andere von mir erwarten“, erzählt Kimi Werner, während sie die Toau in der Küche ihres Bungalows ausnimmt und filetiert. „Wir verwenden so viel Zeit darauf, den Träumen anderer hinterherzujagen und Ziele zu verfolgen, die nicht wir selbst, sondern andere für uns gesetzt haben. Ich dachte, ich müsste an Wettbewerben teilnehmen, dachte, ich müsste immer weitere Siege einfahren. Heute weiß ich, dass ich vor allem die Erwartungen anderer erfüllen wollte.“

Im Garten hantieren ein paar ihrer Freunde bereits am Grill. Sie wollen später gemeinsam essen, jeder hat etwas mitgebracht. Salate, Brot, Avocados, Bananen. Alles stammt aus eigenem Anbau, Importiertes oder Fertiggerichte sind nirgendwo zu sehen. Kimi Werner ist – natürlich – für den Fisch zuständig. Wann immer sie kann, lädt sie ihre Freunde und Bekannte zu sich ein. „Ich liebe es, mein Essen zu teilen. So habe ich es von meinen Eltern gelernt und so will ich es weitergeben.“ Die Tauchausflüge mit ihrem Vater mögen in der Vergangenheit liegen, aber Kimi Werner hat sich ihre eigene Idylle geschaffen: fernab von Siegertreppchen und Sponsorenverträgen, umgeben von Freunden und einem kleinen Haus mit einem wilden Garten, nicht weit von ihrer zweiten Heimat entfernt – dem Meer.

* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH (www.dat.de) unentgeltlich erhältlich ist.