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Sandra Baumeister: „Ich möchte Perspektiven schaffen.“

ein Model hält eine beigefarbene Tasche der Marke Myeisha is Love
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Mit Myeisha is Love hat Sandra Baumeister ein ganz besonderes Taschenlabel gegründet. Hinter den hochwertigen Lederwaren verbirgt sich ihre Stiftung iNAMi, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen und Kindern in Namibia neue Chancen zu bieten. Wir haben Frau Baumeister zum Interview getroffen.

An einem der letzten warmen Sommerabende des Jahres präsentiert Sandra Baumeister im ehrwürdigen Ambiente der namibischen Botschaft in Berlin ihr Taschenlabel Myeisha is Love – zum ersten Mal. Die Produkte sind hochwertig, in ihnen steckt echte Handarbeit, vom Design bis zur einfachen Naht. Doch heute geht es um mehr als nur um schöne Dinge. Früher war Sandra Baumeister Lehrerin, viele Jahre lang engagiert in der Entwicklungshilfe. Dann packt sie der Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Sie wandert mit ihren vier Kindern nach Namibia aus, gründet mit ihrer Partnerin Kym Kibble die Stiftung iNAMi. Ein Herzensprojekt, in das sie auch heute noch viel Geld und noch mehr Liebe investiert. Sie möchte ein Waisenhaus bauen, mitfinanziert durch den Verkauf der handgefertigten Taschen ihres frisch gegründeten Labels. Grund genug, einmal genauer nachzufragen, was die gebürtige Stuttgarterin zu ihrer Entscheidung bewegte, welche Hürden es zu meistern galt – und wie sich Familie und Engagement unter einen Hut bringen lassen.

She’s Mercedes: Frau Baumeister, was ist das für ein Gefühl, heute den Launch Ihres Labels „Myeisha is Love“ zu feiern?

Sandra Baumeister: Es ist sehr aufregend, unsere Taschen in einem so wunderschönen Gebäude zu präsentieren. Das Ambiente ist unheimlich stilvoll. So hatten meine Partnerin Kym und ich uns das vorgestellt.

Verraten Sie uns, wie die Idee zu „Myeisha is Love“ entstanden ist?

Ich habe früher regelmäßig in Südafrika in der Entwicklungshilfe gearbeitet. Irgendwann wuchs das Bedürfnis, etwas Eigenes zu machen. Kym lebte damals schon in Namibia, ich selbst aber noch in Deutschland. Durch einen glücklichen Zufall bekam ich zehn Industrienähmaschinen geschenkt. So entstand die Idee, ein Social Entrepreneur Business zu gründen. Die Entscheidung, Taschen herzustellen, fiel einerseits, weil ich mich schon immer für Mode interessiert habe. Andererseits habe ich mich an den vorhandenen Ressourcen orientiert. In Afrika ist das vor allem Leder. Also wurden es Ledertaschen.

Was waren die größten Hürden, die es auf dem Weg von der Idee bis zur Produktion zu bewältigen gab?

Die Hürden waren vor allem bürokratischer Natur. Die Strukturen in Namibia sind anders als in Deutschland, aber ich hätte nie gedacht, dass es so kompliziert werden könnte – angefangen von den Formularen bis hin zur Einfuhr des Leders. Auch die gespendeten Maschinen mussten ohne vorliegende Rechnungsdokumente erst einmal ins Land kommen. Wenn ich eines gelernt habe: In Afrika ist es gut, einen Plan zu haben. Noch besser ist es, wenn man Plan B, C, D und E auch noch im Gepäck hat. Ein hohes Maß an Flexibilität ist wirklich wichtig.

Leider stellen westliche Medien Afrika oft gefährlicher dar, als es ist. Sandra Baumeister

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Vorhaben reagiert?

Nicht alle haben die Idee unterstützt. Es herrschen noch immer viele Vorurteile über Afrika. Dort sei es gefährlich, vor allem für Frauen und Mädchen. Ich sehe das anders. Bis auf einige Ausnahmen kann ich mich völlig frei bewegen. Und Kriminalität gibt es auch in Deutschland. Leider stellen westliche Medien Afrika oft gefährlicher dar, als es ist. Persönlich getroffen haben mich die Vorwürfe, ich würde meiner Verantwortung als Mutter nicht gerecht. Ich habe meine Kinder schon immer in meine Arbeit einbezogen, auch vor Ort, und sie haben mich immer unterstützt. Die Taschenmodelle sind deshalb auch nach ihnen benannt.

zwei Models mit Myeisha is Love Taschen

Sie haben inzwischen mehrere Angestellte. Die meisten von ihnen sind Frauen. Ist es Ihnen wichtig, gerade den Frauen in Namibia berufliche Chancen zu ermöglichen?

Frauen zu fördern, ist mir sehr wichtig. In Afrika sind sie es, die für die Familie verantwortlich sind. Sie schicken die Kinder in die Schule und sorgen für das Essen auf dem Tisch. Viele Männer nutzen ihren Verdienst dagegen zum persönlichen Vergnügen. Je nach Stamm genießt ein Mann in Namibia sehr viele Freiheiten. Umso wichtiger ist es, Frauen zu helfen, ihre Familie finanziell abzusichern. Ich bin aber nicht männerfeindlich (lacht). Mittlerweile beschäftige ich auch drei Männer, die, soweit ich es beurteilen kann, sehr verantwortungsbewusst und zuverlässig sind.

Viele Säuglinge werden nach der Geburt sich selbst überlassen – diesen Kindern möchte ich eine Perspektive bieten. Sandra Baumeister

Wie schaffen Sie es, ihr Engagement und Familienleben unter einen Hut zu bekommen?

Meine Kinder besuchen in Namibia die deutsche Schule. Sie werden dort sehr gut betreut, auch wenn ich anfangs skeptisch war. Als ehemalige Lehrerin habe ich hohe Ansprüche. Natürlich sind die Standards anders als in Deutschland, aber inzwischen weiß ich, dass meine Kinder dort eine wirklich gute Ausbildung erhalten. Für die Zweitälteste stand von Anfang an fest, dass sie mich begleiten will. Bei den anderen musste ich mehr Überzeugungsarbeit leisten. Aber sie sind alle sehr gut angekommen. Ich versuche, viel mit ihnen zu unternehmen, damit sie auch das Land kennenlernen. Es klappt wirklich gut. Wir haben eine sehr schöne Gemeinschaft.

Eine Designerin arbeitet an einer Myeisha is Love Handtasche

Was wünschen Sie sich für Ihr Label? Haben Sie sich ein besonderes Ziel gesetzt?

Wir unterstützen aktuell einen Kindergarten bei Katutura, einem Township bei Windhoek. Dort werden etwa 54 Kinder betreut, die täglich eine warme Mahlzeit bekommen. Wir finanzieren auch die Ausbildung einer jungen Frau zur Kindergärtnerin mit. Mein Traum ist es aber, ein eigenes Waisenhaus aufzubauen. Aus meinem Beruf weiß ich, wie wichtig es ist, schon die Kleinsten zu motivieren und zu fördern. Wir wollen bevorzugt Babys aufnehmen, um dem Baby Dumping in Namibia entgegenzuwirken. Viele Säuglinge werden nach der Geburt sich selbst überlassen – diesen Kindern möchte ich eine Perspektive bieten. Wir sprechen auch mit Schulen vor Ort und versuchen, Partnerschaften zur Betreuung einzelner Kinder auszuhandeln. Das alles kostet viel Geld, deshalb hoffe ich auf den Erfolg des Labels. Ein großer Betrag aus dem Verkauf fließt in die von Kym und mir gegründete Stiftung. Damit wollen wir das Projekt finanzieren. Große Ziele, ich weiß (lacht).

Hat das Wort „Myeisha“ eine besondere Bedeutung?

„Myeisha“ bedeutet: „Eine, die sehr geliebt wird.“ Es ist der Zweitname meiner dritten Tochter, die auch die Patentochter meiner Partnerin Kym ist. Es geht um Wertschätzung und Liebe. Liebe, die man selbst erfährt und die man an andere weitergibt. Das strahlt auch unser Produkt aus, in das wir viel Mühe und Herzblut investieren. (Anm. d. Red.: Jeder Tasche liegt ein Kärtchen bei. Es stellt die Mitarbeiter vor, die die Tasche gefertigt haben.) Die Käuferin soll das fühlen, wenn sie das Produkt trägt. Myeisha is Love schließt den Kreis im Sinne eines großen Miteinanders.

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