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Zaki Ibrahim: Kreativer Flow mit Baby im Arm

© Dylan Culhane

Über den Balanceakt zwischen musikalischem Schaffensdrang und engagierter Mutterrolle.

International ist die südafrikanische Musikerin Zaki Ibrahim zwar noch ein Geheimtipp, in ihrer Heimat aber hat sich die dynamische Künstlerin mit einer eigenen Mischung aus R’n’B, Soul und Jazz bereits einen Namen gemacht. Auch wenn Auftritte an der Südspitze Afrikas in der letzten Zeit selten waren – Zaki Ibrahim ist neuerdings mehr in Vancouver als in Kapstadt anzutreffen – bestätigten diese immer wieder: Hier steht eine Künstlerin auf der Bühne, die alles gibt. Mit Baby im Arm und dem zweiten Album „The Life of Planets“ in Aussicht, zeigt Zaki keinerlei Anzeichen, ruhiger zu werden. Derzeit kann man sie auf einer Jazzfestival-Tour in Nordamerika oder bei den Aufnahmesessions für ihr neues Album in Vancouver erleben. Zwischen diesen vielen Projekten und familiären Verpflichtungen, nahm sich Zaki Zeit, mit uns über ihre kreative Entwicklung, neue Pläne und alte Vorurteile zu sprechen.

© Dylan Culhane

Was hat dich nach Kanada verschlagen?

Ich spiele auf Konzerten, die Teil der weltweiten Jazz-Festival-Reihe 'South Africa Now' des Ministeriums für Kunst und Kultur sind, um südafrikanischen Künstlern Auftritte bei verschiedenen Jazzfestivals zu ermöglichen. Diese Woche bin ich in Toronto auf der Bühne, danach bei einigen Shows in New York und Boston. Ich arbeite auch an meinem zweiten Album „The Life of Planets“.

Letztes Jahr wurdest Du Mutter. Wie kommst Du mit dem vollen Terminkalender in dieser neuen Lebensphase zurecht?

Zum Glück ist mein Partner hier und kümmert sich mit mir um Za’ir. Ich würde es ohne ihn kaum schaffen. Es ist aber interessant, dass sich in meiner Arbeit kaum etwas geändert hat. Ich schreibe genau dann Songs, wenn ich inspiriert bin. Ich habe anscheinend das einfachste Baby der Welt bekommen. Za’ir ist total pflegeleicht. Wir sind zum Beispiel letztens fünf Stunden lang mit der Band Auto gefahren und er war einfach Teil der Crew: lachte, hörte Musik und schlief. Mutter zu werden war in manchen Bereichen wirklich nicht die große Umstellung, die man mir vorausgesagt hatte.

© Dylan Culhane

Das klingt, als ob Du nicht viel Tempo rausgenommen hättest.

Ja stimmt, aber manche Dinge werden doch anders. Ich habe drei Monate nach der Geburt von Za’ir wieder angefangen, zu arbeiten. Es war ein großartiges Gefühl, auf der Bühne zu stehen, aber ich war auf jeden Fall empfindlicher als je zuvor. Mein Körper ist anders, ich muss mich physisch an einige Dinge gewöhnen. Außerdem starb mein Vater in dieser Zeit, das machte mir auch zu schaffen. Musik ist Therapie, und diesen Heilungsprozess im engsten Familienkreis – mit meinem Partner und meinem Sohn – durchzumachen, war sehr wichtig.

Hast Du eine Veränderung in Deiner Kreativität bemerkt?

Ich glaube, ich bin jetzt fokussierter. Früher gab es Momente, in denen ich zu viel nachgedacht habe. Damit wurde alles langsamer und konfuser. Jetzt kümmere ich mich nicht zu sehr um kleine Details, sondern lasse alles fließen und Dinge einfach geschehen.

Verfolgst du die Musikszene in Kapstadt und neue aufstrebende Künstler?

Nicht wirklich, um ehrlich zu sein. Ich habe hier in Kanada zu viel zu tun. Ich liebe das Land. Meine Mutter lebt hier und die Landschaft ist wunderschön, aber es ist einfach eine andere Welt, mit anderen Regeln. Daher bekomme ich nicht alles mit, was in Kapstadt passiert.

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Haben Frauen in der Kreativbranche faire Bedingungen?

Das ist eine Dynamik, die sich ständig weiterentwickelt. Wir haben noch keine gleichen Wettbewerbsbedingungen, so viel ist sicher. Ich habe neulich ein Theaterstück über Saartjie Baartman gesehen, eine Khoisan-Frau aus Südafrika, die nach Europa verbracht und dort ausgestellt wurde, weil ihre körperliche Erscheinung so anders war. Das Stück hat mich sehr berührt. Die Entdeckung deines Werts als Frau ist ein Prozess – ein schöner Prozess.

Als afrikanische Künstlerin in Europa und Nordamerika, siehst Du Verbindungen zu Saartjie Baartman – in dem Sinne, als exotisch betrachtet zu werden?

Absolut. Als Mensch gemischter Abstammung wurde ich oft 'exotisch' genannt, was ich ehrlich gesagt richtig beleidigend finde, da es mich zum Objekt abstempelt. Ich bin eine talentierte Person und möchte auch als solche wahrgenommen werden.

Danke, Zaki, für das Interview!

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