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Neue Perspektiven

Automobilfotografin Amy Shore
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Die britische Fotografin Amy Shore inszeniert Geschichten, nicht Objekte.

Amy Shores Lachen steckt an. Und Amy Shore lacht oft. Die 26-jährige Automotive-Fotografin liebt ihren Job – und überträgt diese Begeisterung auf ihr Umfeld. Sicherlich ist auch das ein Grund dafür, dass sich die Britin schon in so jungen Jahren in der von Männern dominierten Branche einen Namen gemacht hat. Ein weiterer Grund: Sie inszeniert nicht nur das Auto, sondern auch die Personen, die dazugehören – ob Eigentümer, Fahrer, Bastler oder Mechaniker.

„Ich will die Menschen hinter dem Auto kennenlernen“, erzählt Shore. „Ich möchte alles über sie wissen, will erfahren, was sie mit dem Auto erlebt haben.“ Das gehe am besten, wenn sich die Menschen wohlfühlten. „Ich möchte eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Wenn sie anfangen, von sich zu erzählen, beginnt meine Arbeit. Ich will Geschichten erzählen, nicht nur Objekte ablichten.“

Shore arbeitet am liebsten mit Autos, die eine Vergangenheit haben. Hier findet sie die Geschichten, die sie am meisten interessieren. „Die Besitzer von Oldtimern haben eine besondere Beziehung zu ihren Fahrzeugen. Ihre Autos haben sie oft jahrelang begleitet, auf Reisen, in den alljährlichen Familienurlaub oder einfach auf dem täglichen Weg zur Arbeit.“ Ein Eigentümer habe ihr erzählt, dass die Strecke, die er mit seinem Auto zurückgelegt hat, der Distanz zwischen Erde und Mond entsprechen würde. Wenn sie Geschichten wie diese erzählt, lacht Shore: „Ich meine, zum Mond! Könnt ihr euch das vorstellen?“

Fotografin Amy Shore spricht mit ihrem Vater

Geschichten füllen auch das kleine Büro in ihrem Haus in der britischen Grafschaft Leicestershire, in dem Shore ihre Bilder bearbeitet und sich auf anstehende Aufträge vorbereitet. Über dem Schreibtisch hängen Kunstwerke und Fotografien anderer Künstler, im Regal stapeln sich die Magazine, die ihre Bildstrecken veröffentlicht haben – darunter große Namen wie Ramp, Revolution oder Octane. Davor steht das Foto eines Mannes auf einem Motorrad, der eine Kamera um den Hals trägt. „Das hätte ich schon längst einrahmen lassen müssen“, sagt Shore und lächelt, als sie es in die Hand nimmt. Auf dem Bild zu sehen ist Shores Vater.

Er war es, der Shores Begeisterung für Autos weckte – und der Shore ihre erste Spiegelreflexkamera schenkte. „Wenn wir unterwegs waren, hat er mich immer wieder zur Seite genommen, um mir ein besonderes Motiv zu zeigen. Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie sich das Licht in einem Fenster spiegelt oder mir gezeigt, wie eine veränderte Perspektive die Komposition eines Fotos beeinflusst.“ Auch heute tauscht sie sich mit ihrem Vater, selbst ein Künstler, über ihre Arbeit aus: „Er prägt meine Fotografie wie kaum ein anderer.“

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Fotojournalistisch ist das Wort, mit dem Shore ihren Stil beschreibt, wenn man sie danach fragt. Sie dokumentiert ihre Umgebung mit einer Akribie, die ihresgleichen sucht. Auch deshalb ist Shore immer mit zwei Kameras ausgestattet, wenn sie fotografiert. Sie trägt sie an einem Schultergurt, um sie immer bereit zu haben. „So verliere ich keine Zeit damit, die Objektive zu wechseln.“ Mehr Equipment braucht sie jedoch nicht: „Mein erstes Auto-Fotoshooting fand sehr spontan statt“, erklärt Shore. „Ich wusste nicht, wie man einen Wagen fotografiert, dachte mir aber ‚why not‘?“ Sie lacht. Amy Shore ist eine Frau, die Gelegenheiten ergreift, wenn sie sich ihr bieten.

Ich will die Menschen hinter dem Auto kennenlernen. Ich möchte eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Wenn sie anfangen, von sich zu erzählen, beginnt meine Arbeit. Amy Shore

Um nicht vollends unvorbereitet zu ihrem ersten Shooting zu kommen, sucht sie im Internet nach Ratschlägen. Und merkt schnell, dass die meisten Autofotografen mit Lichtwannen und Blitzen arbeiten und ihre Fotos aufwendig nachbearbeiten. „Ich selbst hatte nur einen einfachen Aufsteckblitz. Aber ich wollte einfach mal schauen, wie weit ich damit komme.“ Sie beschließt, die Recherche abzubrechen und das Fotoshooting nach ihren eigenen Regeln zu gestalten. Mit einer groben Idee, aber ohne sich in endlosen Planungen zu verlieren – und ohne Blitz. Dass das funktioniert, sieht Shore nicht nur an dem Zuspruch, den sie nach der Produktion erhält – sondern auch an den Aufträgen, die folgen.

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Shore ist ihrer Arbeitsweise bis heute treu geblieben. Sie ist immer wachsam, voll bei der Sache. Sie dokumentiert, was um sie herum vorgeht, ist ständig auf der Suche nach Momenten, die sie einfangen kann. Sie geht in die Hocke oder vor und zurück, stellt sich auf Zehenspitzen, um die Blickrichtung zu ändern und neue Winkel zu finden. Ihr leichtes Equipment erlaubt es ihr dabei, sich ebenso schnell zu bewegen, wie sie redet. Und wo andere Automobilfotografen mit Stativ und Lichtwannen nach Perfektion und Hochglanz suchen, findet Shore die Menschen hinter den Autos: die Eigentümer, Fahrer, Bastler oder Mechaniker.