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Die Zukunftsforscherin Oona Strathern über Mindful Mobility

Porträt von Oona Strathern
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So gelingt uns künftig das nötige Maß an Achtsamkeit in Smart Cities.

Autonomes Fahren und Elektromobilität werden das Leben in Städten deutlich verändern. Zukunftsforscherin Oona Strathern verrät, wie uns in vernetzten Metropolen das nötige Maß an Mindfulness gelingt.

Frau Strathern, wie wird Elektromobilität den Verkehr verändern?

Er wird ruhiger und weniger hektisch werden. Ich weiß es aus eigener Erfahrung: Mit elektrischen Autos fährt man viel bewusster, weil man genau wissen muss, wann man Strom nachlädt und dass Rasen viel Batterie verbraucht.

Sie sprechen von Mindful Mobility, was meinen Sie damit?

Neue Technologien helfen uns, achtsamer Auto zu fahren. Wir können die Technik so nutzen, dass sie Fahren angenehmer und sicherer macht. Mindful Mobility fängt für mich dort an, wo sich jeder Fußgänger oder Autofahrer gefahrenlos aufhalten kann. Mindful Mobility kann aber auch Spaß machen, wenn man zum Beispiel einen Sportwagen an einer Ampel abhängt. Von null auf hundert, das geht mit der neuen Generation elektrischer Fahrzeuge ziemlich schnell.

Wo liegen derzeit noch die Herausforderungen?

Nur weil das Elektroauto sehr viele Funktionen übernimmt und im besten Fall komplett autonom fahren kann, heißt das nicht, dass man sich blind auf die Technik verlassen sollte. Mindful Mobility heißt für mich auch, achtsam im Straßenverkehr zu sein. Achtzugeben auf das, was um einen herum geschieht. Es gab da eine interessante Studie aus Holland, Wissenschaftler haben untersucht, was es bedeutet, in einer verkehrsreichen Gegend alle Ampeln und Straßenschilder zu entfernen. Die Autofahrer waren plötzlich viel aufmerksamer und haben ihre Umgebung wieder stärker wahrgenommen. Das wäre meine Botschaft an das autonome Fahren von morgen: Schenkt eurem Umfeld und den Fußgängern mehr Beachtung! Gerade Sehbehinderte haben in diesem Zuge Angst vor der „stillen Stadt“, in der Elektroautos fahren.

Neue Technologien helfen uns, achtsamer Auto zu fahren. Wir können die Technik so nutzen, dass sie Fahren angenehmer und sicherer macht. Oona Strathern

Sie warnen auch vor einer technischen Reizüberflutung in Smart Cities, warum?

Nicht jedes neue technische Gadget bedeutet für den Menschen auch Fortschritt. Eine Überflutung durch diese technischen Reize führt eher zu einer Entfremdung von uns. Ich habe das Gefühl, dass die Technik zwar oft vernetzt, dies jedoch dem einzelnen Menschen oftmals nicht wirklich hilft. Es muss einen Schritt zurück geben, damit wir uns wieder auf den Menschen besinnen können. In dieser Hinsicht müssen wir uns ganz klar überlegen: Wie können wir Mindful Connecting betreiben? Wie kann eine technische Verbindung das alltägliche Leben tatsächlich verbessern?

Gibt es denn ein Beispiel dafür, wie ein Mindful Connecting aussehen könnte?

Das mag vielleicht ein seltsames Beispiel sein, doch gerade in größeren Städten gibt es bekanntlich immer mehr Single-Haushalte und alte Menschen, ergo immer mehr Einsamkeit. Alte Menschen gehen fast nie vor die Tür, bekommen kaum Besuch und sind froh, wenn sie sich einmal täglich mit dem Postboten unterhalten können. In London gibt es dafür eine App, die sich „GoodGym“ nennt. Sie vernetzt sportbewusste junge Menschen mit alten oder auch einsamen Personen. Der Sportliche joggt zu einem Menschen, um mit ihm eine Tasse Tee zu trinken oder um die Zeitung vorbeizubringen oder auch einfach um ein nettes Gespräch zu führen. Der Sportliche hat ein klares Ziel und der Einsame einen Termin; eine Begegnung. Das ist für mich die zweite Ebene von „smart“: Man benutzt die Technologie, um Menschen zu verbinden, doch mit dem höheren Ziel, ihnen zu helfen.

Autorin Oona Strathern

Die Visionärin

Oona Strathern kommt aus London. Seit über 20 Jahren ist sie Trendforscherin, Beraterin, Rednerin und Autorin. Sie schrieb Bücher über die Geschichte der Futurologie, der Architektur der Zukunft und arbeitet an zahlreichen Studien des Zukunftsinstituts mit, das sie mit ihrem Mann Matthias Horx gegründet hat. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Architektur, Stadtentwicklung und das Verhältnis von Emotionen und Technologie.