Leider unterstützt ihre aktuelle Browser-Version nicht alle Technologien dieser Webseite.

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um die Webseite korrekt darstellen und alle Funktionen nutzen zu können.

Folge 1

5 Levels of Inspiration mit Mirna Funk

Wir fragen Frauen, die wir bewundern, was sie zuletzt inspiriert hat und verfolgen diesen Gedanken weiter: Ob Buch, Begegnung oder Musik – wer steckt dahinter und was hat diese Person wiederum inspiriert? In fünf Schritten tauchen wir diesmal in das Kreativnetzwerk von Schriftstellerin Mirna Funk ein.

1

Mirna Funk

Die Journalistin und Autorin Mirna Funk ist in Tel Aviv und Berlin zuhause. Sie schreibt unter anderem für das Zeit Magazin, die Süddeutsche Zeitung und das Interview-Magazin – für letzteres berichtete sie im Sommer 2014 aus Israel und von ihrem dortigen Leben im Ausnahmezustand. Privat und beruflich beschäftigt sich die gebürtige Ost-Berlinerin immer wieder mit dem Gedanken einer deutsch-jüdischen Identität – einer vielschichtigen Existenz, die sie zwischen den Orten, Kulturen und Textformaten auslotet. Ihr vielbeachteter Debütroman Winternähe (2015) entstand – wie viele ihrer Texte – an Mirnas magischem Lieblingsort: ihrem Bett.

Das Cafe „Hanasich Hakatan“, Ort der langen Gespräche von Mirna Funk und Anne Ponger. © Sheli Chen

Das hat mich zuletzt inspiriert: Gespräche mit Anne Ponger.

Dei Journalistin Anne Ponger habe ich 2014 eher zufällig bei einem Flug nach Tel Aviv kennengelernt. Unsere Leben haben viele Parallelen: Wir wohnen beide in Israel und Deutschland, sind mit einem Israeli verheiratet und arbeiten als Journalistinnen. Schon beim ersten Treffen haben wir uns fantastisch unterhalten – über meinen Roman, das Leben, Gott und die Welt – und treffen uns seither regelmäßig. Z. B. im Café Hanasich Hakatan (übers. „der kleine Prinz“) in Tel Aviv, einer Mischung aus Buchladen und Café. Die dortigen Gespräche mit Anne haben mich inspiriert – die Offenheit, mit der sie der Welt begegnet, ist einfach beeindruckend.

2

Anne Ponger

Als Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung berichtete Anne Ponger von 1983 bis 2000 aus Israel, den besetzten Gebieten und Zypern. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann in Jerusalem und Berlin. Ihre heimliche Leidenschaft neben dem Journalismus: das Kino. Filme transportieren sie sofort an andere Orte.

Dominique Caillat bei den Proben und das Plakat ihres Theaterstücks „Kidnapping“. © Dominique Caillat

Das hat mich zuletzt inspiriert: Das Theaterstück „Kidnapping“.

Dominique Caillats Theaterstück Kidnapping über den israelisch-palästinensischen Konflikt inspiriert mich noch heute. Ich habe Dominique (Autorin und Regisseurin) 2004 während ihrer Recherchen für dieses Stück kennengelernt – also während der zweiten Intifada – und sie hat die Korrespondentin später nach mir benannt. Kidnapping ist ein Paradebeispiel für große Kunst und Dominiques Qualitäten: Sie stellt die richtigen Fragen, geht in die Tiefe. Viel tiefer als Journalismus, der immer auch in die Breite und Oberfläche geht. Diese Attitüde ist wahnsinnig inspirierend und Kidnapping für mich ein Symbol dieser Haltung.

3

Dominique Caillat

Dominique Caillat ist Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Fotografin – die Kosmopolitin ist in Washington D.C. geboren, studierte in Genf und New York und lebt derzeit in Berlin. Aktuell arbeitet sie an einem Roman über Darwinismus. Abseits des Schreibtisches setzt sie auf Kollaborationen und entwickelt u. a. Opernlibretti und Fotoreportagen.

Die Fastenklinik Buchinger Wilhelmi am Bodensee © Niklas Görke

Das hat mich zuletzt inspiriert: Fasten.

Nichts inspiriert mich so sehr wie Fasten. 2013 war ich zum ersten Mal in der Buchinger-Wilhelmi-Klinik bei Françoise Wilhelmi de Toledo und habe mich dort absolut runderneuert. Besonders vor großen Projekten ist das Fasten für mich unverzichtbar – ich brauche es, um Schreiben zu können. Denn im Alltag fühle ich mich oft mit meinem Computer verwachsen. Ich muss mich immer erst daran gewöhnen, mich davon zu trennen und meine Arbeit loszulassen. Nach einem Fastenaufenthalt fühle ich mich wie neu, habe mich gesammelt und kann neue Projekte angehen.

4

Françoise Wilhelmi de Toledo

Seit 30 Jahren leitet Françoise Wilhelmi de Toledo gemeinsam mit ihrem Mann die Buchinger-Wilhelmi-Kliniken. Besucher bleiben oft zwei bis drei Wochen – der Aufenthalt und die Dauer in den speziell gestalteten Räumlichkeiten sollen ihren Fastenprozess unterstützen. Françoise legt deshalb größten Wert auf die inspirierende Wirkung der Umgebung, Kunst ist für sie ein Schwerpunkt im ganzheitlichen Konzept der Buchinger-Wilhelmi-Klinik, die Gäste können sich während ihres Aufenthaltes an mehreren hundert Bildern erfreuen. Die Künstlerin Marie-Jo Lafontaine selbst stattete 30 der Zimmer mit passenden Kunstwerken aus.

Die Videoskulptur „Dance of World“ von Marie-Jo Lafontaine © Martial Thomas

Das hat mich zuletzt inspiriert: Die Videoskulptur „Dance of World“.

Die Videoskulptur Dance of World von Marie-Jo Lafontaine ist seit vielen Jahren sehr wichtig für mich. Ich glaube, dass jeder Mensch über ein eigenes Musée Imaginaire – ein Imaginationsmuseum – verfügt, das unsere gesammelten Eindrücke verwahrt. In meinem treffen Tango, Flamenco, arabischer Tanz und Derwisch aufeinander – der Tango wird von zwei Frauen getanzt, was in dieser männerdominierten Disziplin sehr irritiert. Je nachdem, wie ich mich fühle, bewegen mich diese Bilder auf ganz unterschiedliche Art.

5

Marie-Jo Lafontaine

Seit fast 40 Jahren arbeitet die gelernte Juristin Marie-Jo Lafontaine als Künstlerin mit Film, Fotografie und Malerei in Brüssel. Ihr aktuelles Projekt, ein Schwarz-Weiß-Film, widmet sich Menschen verschiedener Herkunft und ihrer jeweiligen Lieblingsmusik.

Szene von Orphée und Eurydice © Bernd Uhlig

Das hat mich zuletzt inspiriert: Die Inszenierung der Oper „Orphée et Eurydice“ von Castellucci.

Inspiration bedeutet für mich, sich die richtigen Fragen zu stellen. Die Inszenierung der Oper Orphée et Eurydice von Romeo Castellucci hat genau das geschafft. Eine tolle zeitgenössische Inszenierung! An der hinteren Bühnenwand wird während der Oper live aus einem Krankenzimmer übertragen. Wir sehen eine junge Frau mit Hirnschlag, die sich nicht mehr bewegen oder sprechen kann. Ihr wird ein Kopfhörer aufgesetzt – sie kann die Oper live miterleben. Und plötzlich bewegen sich ihre Gesichtszüge. Der ganze Zuschauerraum war still. Ich habe die Aufführung mit Tränen in den Augen verlassen.