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Folge 3

Im Unimog um die Welt

The Glaarkshouse

Die ehemalige Kreativ-Direktorin Jennifer Glas nimmt uns mit auf eine romantische Reise um die Welt mit ihrem Mann Peter und einem umgebauten Mercedes Benz Unimog.

Mit Mitte 30 verläuft das Leben bei den meisten Menschen in geregelten Bahnen. So auch vor knapp vier Jahren bei Jennifer Glas: Die damals 34-Jährige arbeitete als Kreativ-Direktorin bei einer Münchner Werbeagentur. Und hatte irgendwie das Gefühl, beruflich schon alles erreicht zu haben. Dann traf sie den fünf Jahre älteren Peter Glas aus Basel, beide verliebten sich Hals über Kopf – und beschlossen nach nur wenigen Monaten Fernbeziehung, dass Pendeln für sie weiterhin nicht in Frage kommt. Während andere Paare sich dann auf eine Stadt einigen und eine gemeinsame Wohnung suchen, kamen sie auf den Gedanken: Wenn wir beide schon bereit wären, unsere Jobs und Wohnungen aufzugeben, um zusammenzuziehen – warum sollen wir dann nicht einfach direkt eine kleine Weltreise machen?

„Das war alles relativ verrückt, weil wir uns gerade viereinhalb Monate kannten,“ erzählt Jennifer Glas lächelnd. „Wir waren frisch verliebt und dieses frisch Verliebtsein macht einen ja so ein bisschen gaga – und man traut sich manchmal Dinge, die man in einer anderen Lebenssituation vielleicht nicht umsetzen würde.“ Ebenso schnell stand fest: Ein klassischer Backpacker-Urlaub kommt nicht in Frage. Und Peter Glas schlug schließlich vor: „Komm. Wir fahren mit dem Auto – dann haben wir unser Zuhause immer dabei.“ Den beiden war wichtig, dass ihr fahrendes Haus sowohl soviel Platz wie möglich bietet als auch geländefähig ist. Die Entscheidung fiel schnell auf einen Mercedes-Benz Unimog U 1300 L (Baureihe 435), Baujahr 1986.

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Jennifer Glas hatte bis dahin eigentlich nie eine große Beziehung zu Autos. „Aber als ich unseren Wagen das erste Mal gesehen habe, hab ich mich direkt verliebt.“ Ihre erste Frage an den Verkäufer war somit folgerichtig auch nicht technischer Natur, sondern ganz emotional nach dem Namen des Gefährts. „Das Auto hieß Simba – und uns war von Anfang an klar, dass wir den Namen auf keinen Fall ändern können.“ Simba hatte schon ein interessantes Vorleben: In seinen 30 Jahren Lebenszeit wurde der Wagen zunächst als Militärfahrzeug genutzt und ist mit seinem Vorbesitzer schon einmal um die Welt gekurvt. „Als ich in den Unimog zum ersten Mal betrat, habe ich mich wohlgefühlt.“ Das Innenleben des Sieben-Tonners sei ihr auf den ersten Blick wie eine kleine Skihütte vorgekommen: Auf den sieben Quadratmetern fanden eine Matratze, ein Sanitärbereich und eine Küchenzeile Platz – und genügend Stauraum für Gepäck und einen 180 Liter fassenden Wassertank. Zunächst dachte das Paar ungefähr ein Jahr für seine Reise an – machte im April 2013 seinen ersten Halt in Italien und heiratete in Venedig. „Peter trug mich dann auch im Unimog über die Schwelle – in einem halsbrecherischem Manöver.“ Von dort aus ging es dann für die frisch Vermählten auf dem Landweg weiter Richtung Indien; und das klassisch - wie in den Sechziger Jahren - auf dem berühmten Hippie trail. Mit ihrem Wagen blieben sie nicht unbemerkt: „In Indien sind wir zum Beispiel wahnsinnig aufgefallen. Eines Morgens sind wir davon aufgewacht, dass der Wagen wackelte. Als wir die Tür öffneten, standen knapp 100 Menschen vor uns, die den Unimog fotografiert haben und erstaunt darüber waren, dass wir tatsächlich da drin schlafen.“

Bei ihrer Ankunft in Indien nach einem halben Jahr Fahrt war den beiden klar, dass die Reise länger als ein Jahr gehen muss. „Wir sind zuerst nach Goa, haben dort mit Freunden Weihnachten gefeiert – und sind dann über zwei Monate geblieben.“ Von dort aus ging es weiter in den Süden Indiens, nach Nepal und schließlich ins Himalaya-Gebirge. „Das war auch das Highlight der Reise. Wir fanden die tibetische Kultur faszinierend, haben dort auch in einer tibetischen Schule gearbeitet und sind viel herumgefahren.“ Anschließend ging es weiter über Myanmar nach Südostasien. Doch nicht ohne kleine Hindernisse: Da es im ehemaligen Birma noch gesperrte Militärzonen gibt, braucht man dort Regierungsfahrzeuge, die einen während des Transits begleiten – was relativ kostspielig ist. „Wir haben uns dann in einen Konvoi mit anderen Reisenden zusammengetan und haben die Strecke schließlich mit vier Autos und Motorrädern plus Regierungsfahrzeugen innerhalb von zwei Wochen zurückgelegt.“ Nach mehreren Stationen in Südostasien wurde der Wagen von Singapur aus ins russische Wladiwostok verschifft, von wo aus die sechs Monate dauernde Heimfahrt los ging „Uns war wichtig, dass wir langsam und in Echtzeit nach Hause fahren, statt in Singapur ins Flugzeug nach Deutschland zu steigen. Und diese Heimfahrt haben wir wahnsinnig genossen.“

Wir waren frisch verliebt und dieses frisch Verliebtsein macht einen ja so ein bisschen gaga – und man traut sich manchmal Dinge, die man in einer anderen Lebenssituation vielleicht nicht umsetzen würde.

Jennifer Glas

Im Laufe der Zeit wurde Simba immer mehr zu einem fahrenden Wohnzimmer. Die holzvertäfelten Wände wurden mehr und mehr von Fotos, Glücksbringern und Mitbringseln verdeckt – und die vermeintliche Enge im Wagen fühlte sich immer normaler an. „Am Ende der Reise kamen mir alle anderen Räume viel zu groß vor, daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.“ Und auch der Abschied von Simba – schließlich die erste gemeinsame Wohnung des Paares – fiel beiden sehr schwer. Als sie nach zwei Jahren Reise in München ankamen, haben sie die letzte Nacht noch einmal im Unimog verbracht. Das war im Oktober. Nun steht Simba auf einem Hof in Österreich und wird nach all den Strapazen der tausenden zurücklegten Kilometer wieder auf Vordermann gebracht. „Er fehlt uns sehr. Manchmal würde ich so gerne ins Auto gehen, mich hineinsetzen und einfach den Motor laufen lassen.“ Da bleibt Jennifer und Peter Glas wohl nur eines übrig: Vom nächsten Reiseabenteuer in ihrem Unimog zu träumen.

Was war immer dabei?

Die gesamte Reise griffbereit im Handschuhfach war eine kleine Buddha-Figur als Talisman, ein Fahrtenbuch, in dem handschriftlich – wie ein einem Logbuch – Benzin- und Ölstand notiert wurden, Pfefferspray (das allerdings keinmal benötigt wurde), Stifte, eine Nagelfeile und immer andere Bonbons aus dem jeweiligen Reiseland.