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Folge 3

Jasmin Taylor: „No Fear!“

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Von Teheran nach Berlin, vom Flüchtlingskind zur Unternehmerin mit 150 Millionen Euro Jahresumsatz und 60 Mitarbeitern: Jasmin Taylor ist eine Selfmade-Frau par excellence. Für She’s Mercedes berichtet sie von Flucht, Neuanfang und absoluter Furchtlosigkeit.

Um Jasmin Taylor zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Um ihre Jüngste vor dem kriegsgeschüttelten Alltag im Iran zu schützen, schickten Taylors Eltern ihre Tochter lieber ins große Unbekannte – und Deutschland war damals das einzige Land, das Kinder unter 18 Jahre einreisen ließ. „Als ich mit 17 Teheran verließ, herrschte dort absoluter Kriegszustand. Dauernd wurde die Schule oder mein Elternhaus evakuiert; selbst eine Geburtstagsparty, die ich glücklicherweise knapp verpasst habe, wurde bombardiert. Meine Eltern und älteren Geschwister mussten allerdings zurückbleiben – ich bin ganz allein nach Deutschland gereist.“

Die Ankunft in Deutschland war ein Neustart auf Raten. Für die schüchterne Jasmin gestaltete sich der Neuanfang extrem hart. „Ich war vorher noch nicht einmal ohne meine Eltern im Urlaub und sollte plötzlich mein ganzes Leben allein organisieren – natürlich ohne ein einziges Wort Deutsch zu sprechen. Doch ich habe mir sehr schnell mein eigenes Leben aufgebaut, quasi aus dem Nichts, die Sprache gelernt und Abi gemacht.“ Taylors ständige Begleiter: Energie, Engagement und viel sprühender, handfester Optimismus. Kleine Momente prägten ihren Weg: der Stolz auf das erste Telefongespräch in der fremden Sprache. Die eigene Wohnung, selbstorganisiert. Der bedingungslose Rückhalt der Familie, die ihr eine neue Chance schenkte. Das Gefühl der Furchtlosigkeit, in dem immer auch ein verschmitztes Grinsen steckt. Und schließlich auch das Bewusstsein dafür, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind.

Ebenfalls nicht selbstverständlich: die korrekte Wahrnehmung als Unternehmerin. „Wenn ein breitschultriger Mann einen Anzug trägt, wird ihm gleich alles zugetraut. Doch wenn eine kleine Frau mit High Heels ankommt, muss sie ihre Fachkenntnisse immer wieder beweisen. Ich sitze z. B. im IT-Ausschuss eines Reiseverbunds und durfte dort anfangs noch nicht mal einen Satz beenden. Das hat sich geändert – weil ich auch mal mit der Faust auf den Tisch haue und mich entsprechend bewiesen habe.“ Denn so leicht lässt sich die energische Geschäftsführerin von JT Touristik nicht mehr abbügeln. Ihr souveränes Selbstbild schenkt ihr einen felsenfesten Anker. „Ich traue mir zu, überall sofort eine neue Existenz aufzubauen.“

An welchem Ort sie das erste Mal das Gefühl hatte, angekommen zu sein, und woher sie ihre Furchtlosigkeit hat, erzählt Jasmin Taylor in der dritten Folge von „One Minute – One Opinion“.