50 plus, weiblich, Entrepreneur!

16.12.2019 | Text Sophia Steube

Jackie Villevoye, Designerin, Gründerin und CEO von Jupe by Jackie
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Sieben Frauen über 50 erzählen von ihrer ansteckenden Lust aufs Neue und geben Ratschläge für die jüngere und die eigene Generation weiblicher Führungskräfte.

Mit über 50 fühlen sich viele Frauen frei wie nie. Sie sind im „Ist-mir-doch-egal-Alter“, wie Diversity-Aktivistin Tracy Gray es nennt. Diese „Best Ager“ entwerfen ihre erste Kollektion, gründen ihre eigene Firma oder steigen in den Profisport ein. Wir haben mit sieben solcher Frauen gesprochen, die uns mit ihrem ansteckenden Enthusiasmus und ihrer Stärke faszinieren. Gestatten: Generation Gold.

Jackie Villevoye, 62: Bringt Humor in die Mode

Jackie Villevoye, Inhaberin und Designerin von Jupe by Jackie

© Remco Von De Sanden

Mit 24 bekam ich das erste von fünf Kindern und brach mein Jurastudium ab. Ich habe mich rund 30 Jahre lang meiner geliebten Familie gewidmet. Als meine drei Jungs und zwei Mädchen aus dem Haus waren, wollte ich etwas Eigenes auf die Beine stellen. Nach einer Indienreise beschloss ich, eine Firma zu gründen, die sich auf Handstickereien spezialisiert. Wir entwerfen Kleidung und eine Interior-Linie für Menschen mit Eleganz und Sinn für Humor. Ich bin stolz darauf, heute noch mit denselben indischen Handwerkern zu arbeiten. Wir produzieren nur auf Nachfrage, verfolgen das Slow-Fashion-Prinzip. Ich glaube, Unternehmen können profitieren, wenn sie auf weibliche Sensibilität setzen. Außerdem sind Mütter geübt in Multitasking. Ich selbst bin ein Workaholic. Wo ich mich in fünf Jahren sehe? Nicht im Ruhestand, so viel ist sicher.

Laura Silverman, 56: Erklärt uns die Natur

Laura Silverman, Naturkundlerin und Gründerin von The Outside Institute

© Martyn Thompson

Ich finde nicht, dass man sich in einem gewissen Alter neu erfindet – vielmehr entwickelt man sich kontinuierlich weiter. Je älter man ist, desto mehr wird einem bewusst, was man selbst im Leben braucht. Ich habe vor zwei Jahren meine Naturliebe zum Beruf gemacht und The Outside Institute ins Leben gerufen. Wir bieten ein ganzjähriges Programm mit Naturwanderungen, Waldbaden und nachhaltiger Nahrungssuche an und arbeiten unter anderem mit Experten für Botanik und Kräuterkunde zusammen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Aufenthalt in der Natur Stress, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel senkt und die Stimmung hebt. Ich liebe es, die Freude in den Augen der Menschen zu sehen, die an unseren Exkursionen teilnehmen. Mein Rat an jüngere Frauen: Vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Heißen Sie Misserfolge willkommen. Sie sind Teil des Erfolgs. Fühlen Sie sich nicht unter Druck gesetzt, Kinder zu bekommen. Tun Sie das, was Ihnen Freude bereitet, und tun Sie es nach Ihrem eigenen Zeitplan.

Tracy Gray, 56: Kämpft für mehr Vielfalt

Tracy Gray, Ingenieurin und Gründerin von We Are Enough und The 22 Fund

© Weareageist

Im Alter zwischen 50 und 60 weiß man, was man will. Ich nenne es das „Ist-mir-doch-egal-Alter“. Das Leben ist ein Weg, auf dem man oft falsch abbiegt und den man auch mal zurückgehen muss, aber diese Fehlschritte helfen uns dabei, ein konsistentes Thema zu erkennen. Mein Tipp: Suchen Sie dieses Thema und verbinden Sie es mit Ihrer Leidenschaft. Ich selbst habe als Ingenieurin am Space Shuttle der NASA gearbeitet, bin in die Musikindustrie gewechselt, dann in die Welt des Risikokapitals. Heute bringe ich alle Kompetenzen und Erfahrungen mit, um sie in meiner eigenen Investmentfirma The 22 Fund einzusetzen. Bei meinem Non-Profit-Unternehmen We Are Enough ist es mein Ziel, Frauen zu aktivieren. Ich glaube fest daran, dass alles, was ich tue, dabei hilft, in der Business-Welt Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung zu fördern. Wir Frauen sind offen für Neues, beziehen alle mit ein und legen Wert auf Teamarbeit. Anstatt Männer anzuflehen, in Frauen zu investieren, sollten wir es selbst tun.

Jaswant Kular, 69: Trägt ihr indisches Erbe in die Welt

Jaswant Kular, Food-Entrepreneurin von Jaswant’s Kitchen

© Akbar Ahmad

Eine Leidenschaft für gesundes indisches Essen hatte ich immer. Aber daraus ein Business zu machen war die Idee meiner Zwillingstöchter, die Betriebswirtschaft studiert hatten. Sie ermutigten mich, aus meinen selbst kreierten Gewürzmischungen eine Produktlinie zu entwickeln und so die traditionelle Küche meines Punjabi-Erbes in meine neue Heimat Kanada zu bringen. In meinem Alter ist man weiser, erfahrener und oft frei von familiären Verpflichtungen. Spätestens dann ist die Zeit gekommen, auf seine Wünsche einzugehen und sich Träume zu erfüllen. Bevor ich mein eigenes Unternehmen gründete, zog ich vier Kinder groß und unterstützte meinen Mann in seiner Arztpraxis. Das Gleichgewicht zu finden in unserer modernen Welt mit all ihren Möglichkeiten ist herausfordernd. Man muss erkennen, was einem wichtig ist, und gleichzeitig konzentriert bleiben, ohne sich um die Ergebnisse zu sorgen. Man sollte dem Erfolg Zeit geben. Und das Leben in vollen Zügen genießen – mit der Familie, gutem Essen, Singen und Tanzen.

Susan Feldman, 64: Lässt Frauen sichtbar werden

Susan Feldman, Macherin der Online-Plattform In the Groove

© Manuel Rodriquez

Alt und grauhaarig: Das ist das Bild von Frauen in meinem Alter – und das hat nichts mit der Realität zu tun. Was ist mit unserem scharfen Verstand, unserem makellosen Geschmack, der hart erarbeiteten Weisheit und vor allem unserem Sinn für schwarzen Humor? Unsere Interessen sind nicht gut vertreten. In einer meist freudvollen Lebensphase fühlen sich viele Frauen unsichtbar. Das ist der Grund, warum ich vor zwei Jahren In The Groove gründete, eine digitale Lifestyle-Plattform für Frauen ab 50. Bis dahin gab es kaum eine Website, die auf intelligente und stilvolle Weise auf die Bedürfnisse reifer Frauen einging. Ich will eine Community aufbauen, die den Herausforderungen des Alters mit Anmut begegnet und ihr volles Potenzial ausschöpft, ungeachtet einer Zahl. Lasst uns im Gespräch bleiben und unser bestes Ich zeigen. Und: nicht aufhören zu lernen, gerade in Sachen Technologie. Wer zudem erfolgreich war, sollte sein Wissen an die junge Frauengeneration weitergeben. Wir müssen uns alle gegenseitig unterstützen.

Tricia Cusden, 71: Betont die Schönheit im Alter

Tricia Cusden, Gesicht der Kosmetikmarke Look Fabulous Forever

© Simon Songhurst

Im Alter von 65 standen meine Chancen gut, noch 30 weitere Jahre zu leben. Also machte ich mich auf die Suche nach einer interessanten neuen Aufgabe für das nächste Kapitel in meinem Leben. Look Fabulous Forever ist die Antwort auf die Anti-Aging-Rhetorik der Schönheitsindustrie, die ich ablehne. Wir wollen die Leute mit der Wahrnehmung von Schönheit im Alter konfrontieren. Ich habe schon viele Dinge getan: zum Beispiel als Lehrerin gearbeitet und mein eigenes Beratungsunternehmen geführt. Jeder Job und jede Erfahrung helfen mir noch heute. Ich habe mir niemals erlaubt zu denken, ich sei zu alt für etwas. Als Digital-Entrepreneurin musste ich schnell lernen, mit Social Media umzugehen. Aber ich kenne auch Ängste. Wenn ich vor Herausforderungen stehe, frage ich mich: „Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?“ Antwort: „Ich kann auch mit dem Worst Case fertig werden.“ Mit dieser Entschlossenheit geht’s dann weiter.

Ernestine Shepherd, 83: Macht sich und andere stark

Ernestine Shepherd, Personal Trainerin und bis vor kurzem Bodybuilderin

© Getty Images

Meine Schwester Velvet hat mich dazu gebracht, regelmäßig Sport zu treiben. Seit ich 56 war, haben wir gemeinsam trainiert. Doch dann wurde sie krank. Vor ihrem Tod bat sie mich, ihren Traum, Bodybuilderin zu werden, für sie zu erfüllen. Ich war 71, als ich mit dem gezielten Training begann. Ihr Wunsch ist all die Jahre meine Motivation gewesen und mein Mantra steht auf jedem meiner Sportshirts: „Entschlossen, hingebungsvoll, diszipliniert, um fit zu sein“. Ich habe an neun Wettkämpfen teilgenommen und mehrfach den ersten Platz belegt. Heute arbeite ich noch immer als Personal Trainerin, ebenfalls ein Traum meiner Schwester. Ich bin stolz darauf, meine Versprechen ihr gegenüber eingehalten zu haben. Und ich fühle mich fitter als mit 40. Es tut Körper und Seele gut, sich täglich zu bewegen. Jede sollte sich überlegen, was sie machen will, und dann loslegen. Alles ist besser, als im Sofa zu versinken. Ich liebe es, Leute zu motivieren. Mein Beispiel zeigt, dass Alter nichts anderes ist als nur eine Zahl.

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