Auf Entdeckungsreise

31.10.2019 | Text Iris Mydlach | Foto Sigrid Bjorbekkmo

Babou Olengha-Aaby steht an einem Hafen und spricht mit einer Frau. Es regnet und beide halten Regenschirme.
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Die Unternehmerin Babou Olengha-Aaby rückt inspirierende, unentdeckte Frauen in den Vordergrund.

Der Gipfel des Hügels im Ekebergpark ist so dicht mit Bäumen bewachsen, dass man Oslo kaum sehen kann. In der Hauptstadt Norwegens, sagen die Einheimischen, findet nicht die Natur ihren Platz in der Stadt, sondern die Stadt ihren Platz in der Natur.

Auch die Geschichte von Babou Olengha-Aaby beginnt mit Bäumen. Nur stehen die nicht an den Hängen des Oslofjord. Sie stehen auf einer Webseite, die die 38-Jährige entdeckte, als sie nach der Geburt ihres dritten Kindes auf der Suche nach neuen Ideen war. Die Webseite heißt Ecosia und ist weltweit einmalig: Wer über Ecosia das Internet durchsucht, pflanzt gleichzeitig Bäume. Das Unternehmen investiert jeden Cent aus den Werbeeinnahmen in die Wiederaufforstung von Wäldern. Das sind rund eine Million Euro. Pro Monat. Wenn Olengha-Aaby zwischen „eine Million Euro“ und „pro Monat“ eine Pause macht, wird klar, wie groß diese Summe ist.

Babou Olengha-Aaby lächelt in die Kamera.

„Das hat mich inspiriert und mir Mut gemacht“, sagt die Gründerin. „Dass es genug Menschen gibt, denen die Zerstörung unserer Wälder nicht egal ist und die dagegen aktiv werden – mit einem einzigen Klick auf ein Werbebanner!“

Die Plattform, die Olengha-Aaby mit Ecosia im Hinterkopf gegründet hat, gehört ihrem Unternehmen The Next Billion und heißt Globally Spotted (globallyspotted.com). Besucher dieser Webseite werden auf eine Entdeckungsreise geschickt: Globally Spotted findet und präsentiert inspirierende Frauen, die von den Massen und Mainstream-Medien bislang noch nicht entdeckt worden sind. Olengha-Aaby ist fest entschlossen, die Ideen dieser Frauen aus dem Meer an Informationen in den Weiten des Internet herauszufischen. Vor zwei Jahren hatte sie die Idee, die Plattform zu einer Suchmaschine auszubauen. „Mit der neuen Version von Globally Spotted kannst du eine Schuhdesignerin ausfindig machen oder eine Zahnärztin um die Ecke. Alle Geschäfte oder Dienstleistungen, auf die du bei deiner Suche stößt, sind in weiblicher Hand. Auf diese Weise unterstützt du mit deiner Kaufkraft als Verbraucher Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden und geleitet werden.“

Babou Olengha-Aaby steht neben einem silbernen Auto und lächelt der Kamera zu. Eine Tür des Autos ist offen.

Babou Olengha-Aaby kam im Kongo zur Welt, wuchs in London auf und ihre Muttersprache ist Französisch. Doch Oslo ist ihr Zuhause geworden und es war kein Zufall, der sie hierherführte. Heutzutage ziehen viele jungen Frauen und Familien nach Oslo. Die norwegische Hauptstadt ist auf Wachstumskurs und auf typisch skandinavische Weise ist die Stadt gleichzeitig frisch, grün und konsequent urban. Daher ist es auch keine Überraschung, dass Oslo zur Umwelthauptstadt Europas 2019 gewählt wurde: E-Scooter, Fahrräder und Autos teilen sich die Straßen. Zwei von drei Fahrzeugen, die 2018 gekauft wurden, waren elektrisch. In Oslo ist nachhaltiges Leben eine Selbstverständlichkeit und fest in den Tagesabläufen verankert.

Wenn man Olengha-Aaby darauf anspricht, wird sie dennoch nachdenklich. Weil es hinter der Welt, in der wir leben, eine zweite Welt gebe, die uns verborgen bleibe – anders als die Bäume und Ladestationen, die die Straßen säumen: die Welt der Wirtschaft. Und die werde erst dann nachhaltiger, wenn sie weiblicher wird. Wirklich divers. Olengha-Aaby nennt das „soziale Nachhaltigkeit“.

Wie wir die erreichen? Durch Transparenz und Sichtbarkeit, sagt sie. Ein altes Sprichwort lautet: „Wenn man dich nicht sieht, existierst du nicht.“ Übertragen ins digitale Zeitalter besagt er: „Du kannst nicht sein, was du nicht suchst.“ Sie deutet auf die Schwarz-Weiß-Fotos in ihrem Büro. „Das sind Frauen in unserem Netzwerk. Es sind großartige, kreative Unternehmerinnen, aber die meisten von ihnen hatten nicht einmal vernünftige Fotos von sich. Wir ermutigen sie, ihr Bild und ihre Sichtbarkeit selbst zu steuern.“

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