Kritik? Mit Vergnügen!

17.02.2020 | Autor: Annett Heide | Fotos: Jill Senft

Eine Illustration einer an einem Tisch sitzenden Frau, die eine Münze auf ihrem Finger balanciert.
Artikel teilen:

Sechs Strategien, wie Sie mit Kritik im Job umgehen.

Wir können lernen, souveräner mit negativem Feedback im Job umzugehen: Experten geben sechs Tipps für mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen.

1. Verschaffen Sie sich Luft: Tief durchatmen! Mit dieser Sofortmaßnahme gewinnen Sie Zeit und verhindern, dass Sie unüberlegt reagieren. „Wenn Sie sich für wenig schlagfertig halten, legen Sie sich für den Notfall einen Satz zurecht“, empfiehlt Managementberaterin Gabriele Maier. „Vielleicht: Ich würde gerne darüber nachdenken. Lassen Sie uns morgen sprechen.“ Auch Körpersprache ist wichtig: In gerader, ausgeglichener Haltung strahlen wir automatisch Selbstbewusstsein aus. Das wirkt positiv auf unsere eigene Psyche zurück: „Wenn ich mich aufrecht hinsetze, die Schultern zurücknehme und den Kopf hochhalte, setzt das Gehirn mehr Ressourcen frei.“

2. Finden Sie sich gut: Rollenspiele eignen sich, um die eigene Kritikfähigkeit zu trainieren und sich für die nächste Feedbackrunde zu wappnen. Erwarten Sie aber nicht, dass eine Verhaltensänderung sofort klappt. Je weiter die neue Reaktion von der bisherigen abweicht, desto länger dauert es wahrscheinlich. „Es ist wichtig, sich nicht selbst abzuwerten“, sagt Gabriele Maier. „Selbstmitleidige Gedanken behindern. Stattdessen muss ich mir sagen: Ich bin auf einem guten Weg.“ Schreiben Sie auf, was der andere gesagt hat und wie Sie anders reagieren könnten. Das ist ebenfalls eine sinnvolle Übung, um sich den Vorfall genau vor Augen zu führen und ihn zu reflektieren.

3. Kurbeln Sie Ihr Testosteron an: Verbinden Sie motivierende Sätze mit einem Gegenstand. Das kann ein Talisman sein, den Sie mit in die Sitzung nehmen und bewusst umfassen, um sich zu stärken. Oder kleben Sie ein Bild an den Spiegel. Es soll Sie jeden Morgen daran erinnern, nicht alles persönlich zu nehmen, sondern zu hinterfragen: Was sagt eine harte Kritik über mein Gegenüber aus? Amy Cuddy ist Professorin für Sozialpsychologie an der Harvard Business School und Erfinderin des Power-Posing. Dabei nimmt man eine Körperhaltung ein, in der man sich kraftvoller fühlt. Während ihres TED-Talks gibt sie konkrete Tipps: „Versuchen Sie vor der nächsten stressigen Situation für zwei Minuten Folgendes – im Aufzug, auf der Toilette oder am Schreibtisch: Sagen Sie sich, dass Sie es so gut wie möglich machen werden. Probieren Sie Power-Posing. Es wirkt. Nutzen Sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Es wird für die Darstellung von Wonder Woman auch genutzt. Pushen Sie Ihr Testosteron.“

Eine Illustration einer an einem Tisch sitzenden Frau, die eine Münze auf ihrem Finger balanciert.

4. Machen Sie sich unabhängiger von Lob und Kritik: Persönlichkeitspsychologin Eva Asselmann rät zu einem Realitätscheck. Was ist gerade passiert? Was hat der andere wirklich gesagt und was habe ich hineininterpretiert? Und wie sehen es andere, die dabei waren? Wie relevant war die Kritik gerade, wie werde ich sie in einem Monat beurteilen, wie in einem Jahr, in fünf Jahren? „Vielleicht wird dann klar, dass die Situation gar nicht so wichtig war“, sagt die Expertin. Indem Sie sich verdeutlichen, was Sie alles in Ihrem Leben erreicht haben, bauen Sie Selbstbewusstsein auf: Sie haben Freundschaften geschlossen, Prüfungen bestanden, eine Wohnung, einen Job gefunden. „Erfolgserlebnisse können auch auf etwas Negativem beruhen. Etwa: Mein Partner hat sich von mir getrennt; das war schwierig, aber ich bin da heil durchgekommen.“

5. Lernen Sie, sich zu behaupten: Das ist ein längerer Prozess, der Geduld braucht. Wie oft sagen Sie „Ja“ und meinen eigentlich „Nein“? Psychologin Eva Asselmann weiß dafür eine passende Übung: „Legen Sie sich ein paar Münzen in ihre rechte Tasche. Und immer, wenn so eine Situation vorkommt, lassen Sie eine in die linke Tasche rüberwechseln. Am Ende des Tages gehen Sie Münze für Münze durch, wann und wie oft es passiert ist und warum.“ Nach dieser Art der Bestandsaufnahme üben Sie im Alltag, die eigenen Rechte besser zu vertreten; etwa an der Kasse, wenn der Kunde hinter Ihnen drängelt. Mit der Zeit wird es ihnen leichter fallen, sich auch im Job zu behaupten.

6. Suchen Sie das Problem nicht (nur) bei sich: Werden Sie psychisch widerstandsfähiger. „Resiliente Personen differenzieren stärker zwischen sich und dem anderen: Der Chef ist nicht unbedingt meinetwegen schlecht drauf, vielleicht hat er einfach zu Hause Stress“, sagt Gabriele Maier. Wer das macht, betrachtet Situationen ganzheitlicher: „Sie sind handlungsfähiger, als wenn Sie ausschließlich das Gefühl wahrnehmen, runtergemacht zu werden.“ Und wie werde ich resilient? „Indem ich Situationen im Nachhinein reflektiere. Das geht alleine oder mit einem Gegenüber. Ich muss mich fragen: Was habe ich gefühlt? Was passiert körperlich? Wie denke ich darüber?“ Drei Fragen, die helfen, sich selbst besser zu beobachten.

She’s Mercedes folgen