„Let’s be friends“

09.12.2020 | Autorin: Katalina Farkas | Foto: Anna Heupel

Cristina Mittermeier trifft fünf Frauen aus aller Welt. Was folgt, ist ein emotionales Gespräch – über Träume, Herausforderungen und den eigenen Wert.
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Cristina Mittermeier spricht mit fünf Frauen über Träume, Herausforderungen und den eigenen Wert.

Es mag sich ungewohnt anfühlen, laut und entschlossen von den eigenen Erfolgen zu erzählen. Vor allem, wenn eine weltbekannte und mehrfach ausgezeichnete Fotografin darum bittet. Aber egal, wie schwer es ihnen falle, mahnt Cristina Mittermeier die Teilnehmerinnen gleich am Anfang der ersten She’s Mercedes Mentoring-Session: Es sei wichtig, es immer wieder zu tun. „Wir – gerade als Frauen – müssen verdeutlichen, für was wir stehen. Wir müssen unseren Wert kennen. Und wir müssen die Selbstzweifel verstummen lassen, die uns sagen, dies oder jenes wäre vielleicht nichts für uns, weil wir nicht stark genug sind.“ Und so unerwartet es auch gewesen sei, frei heraus von dem zu erzählen, worauf man an sich stolz sei. Sie finde es auch ermutigend, fügt Adrienne aus Chicago hinzu: „Die Stärke und der Mut der Frauen hier sind wirklich herausragend.“

Es ist ein Montag im November, an dem die Umwelt- und Naturschutzfotografin ihre Mentees trifft – die fünf Frauen, die an der ersten Edition von She’s Your Mentor teilnehmen. Das Treffen findet digital statt, nicht so sehr wegen Abstands- und Hygieneregeln, sondern vor allem darum, weil die Teilnehmerinnen in Argentinien, Chile, den USA und Deutschland leben. Da ist Marianela, die Meeresbiologin wird und damit mit der Familientradition bricht, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Adrienne, die wegen geschlossener Schulen ihre drei Kinder zu Hause unterrichten muss und sich nebenbei als Fotografin verdingen will. María Jesús, die auf Spanisch über den Klimawandel aufklären will, sich aber noch nicht sicher ist, wo und wie sie die meisten Menschen erreicht. Die Ingenieurin Marina, die fossile Technologien umweltfreundlicher machen will und gerade in Elternzeit ist. Sofia, die für eine Nichtregierungsorganisation mit den Bewohnern argentinischer Nationalparks verhandelt hat, um die Auswilderung von Jaguaren zu ermöglichen. Und Cristina Mittermeier, die eigentlich auf Vancouver Island im Westen Kanadas wohnt, heute aber in einem Wohnwagen an einem Hafen der amerikanischen Ostküste sitzt, von wo aus sie in den kommenden Tagen mit einem Katamaran gen Süden segeln will, auf die Bahamas.

Cristina Mittermeier und die Teilnehmer der „She’s your mentor“-Session

Ein Austausch wie dieser sei unglaublich wichtig, sagt Mittermeier. Als sie in ihren Zwanzigern ihre Kinder großzog, während ihr Mann seine Karriere verfolgte, habe sie sich oft unsichtbar gefühlt. „Meine Fähigkeiten blieben unerkannt, ebenso mein Potenzial. Schlimmer noch, ich fühlte mich, als würde mir niemand zuhören.“ Sich mit anderen Frauen auszutauschen – „Frauen, die Interesse an denselben Themen gehabt hätten wie ich“ –, hätte ihr damals geholfen. Über die Themen, die sie wirklich bewegt hätten, aber eben auch über die eigenen Ziele und Fähigkeiten. Deshalb sei ihr schon vor dem Gespräch klar gewesen, „dass ich von euch hören möchte, was eure Superkräfte sind.“

Und diese, das belegen die Antworten der Teilnehmerinnen eindrucksvoll, sind so vielfältig wie die Teilnehmerinnen selbst. Was sie eint, ist ihr Interesse an der Natur, dem Meer und am Umweltschutz, dem sie sich künstlerisch nähern, aber auch wissenschaftlich. Eine Tatsache, die nicht nur die Gruppe, sondern auch Cristina Mittermeier begeistert: „Es lässt mich hoffen, dass es so viele von uns da draußen gibt, die versuchen, den Planeten, auf dem wir leben, besser zu verstehen.“

Die gemeinsamen Interessen sind es, die das Gespräch vorantreiben. Wie man Menschen für wissenschaftliche Fakten begeistern und komplexe Geschichten in einem Foto oder einer Anekdote erzählen könne. Wie sich die eigene Arbeit von der Flut an Inhalten im Netz abhebe („… ihr werdet die Antwort nicht mögen, aber es braucht sehr viel Disziplin.“). Wie man sich den Menschen nähere, die man fotografieren möchte. Wie man für sich selbst einstehe. Wie es ist, eigene Wege zu gehen. Die eigene Stimme zu finden („… die laut sein sollte!“). Aber auch, wie man mit Frust umgehe, wenn einen das Gefühl umtreibe, die eigenen Worte verhallten ungehört. Nach einer Weile scheint es nicht mehr so, als würden sich sechs Fremde unterhalten, die sich vorher noch nie gesehen haben. Es klingt, als würden sich Bekannte austauschen, alte Freundinnen, die sich vielleicht länger nicht mehr gesehen haben und deshalb über viele große Themen und Meilensteine sprechen müssen.

Was bleibt? Ein Gefühl von Zusammenhalt, das sich – glaubt man den Worten von Cristina Mittermeier – warm und weich anfühlt: „Ich hoffe, dass dies nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass wir miteinander sprechen. Lasst uns in Kontakt bleiben. Ich will eure Fotos sehen, von euch hören, euch die Texte und Filme schicken, von denen ich gesprochen habe. Wer weiß, vielleicht erlauben es die Umstände irgendwann sogar wieder, dass wir uns treffen. Im echten Leben. Let’s be friends.

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