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Bauer sucht Cloud.

Intelligente Landmaschinen.

Die autonom fahrenden Concept Cars für den Personenverkehr sind allesamt Design-Diven. Ihr futuristisches Äußeres kündigt den Beginn der schönen neuen Welt an, in der selbstfahrende Autos ihre Passagiere fast lautlos von A nach B chauffieren. Dagegen erscheinen ihre autonomen Brüder vom Lande wie verwachsene Giganten. Quasimodo braucht kein Make-up. Was er braucht, sind noch mehr Augen und noch mehr Tentakeln, um noch autonomer zu agieren.

In jedem Winkel stecken die neuesten Technologien der Telemetrie und Spurführung. Kamera-, Laser-, Radar- und LiDAR-Abtastung machen ihn reif für jedes Terrain, lassen ihn jedes Hindernis umgehen. Die sensorgestützte Landmaschine ist das Rückgrat des Präzisionsackerbaus.

Weniger ist mehr.

Frische Landluft. Diesen ironischen Verweis auf den beißenden Geruch von Gülle in der Nase wird man wohl immer weniger hören. Statt nach dem Gießkannenprinzip das Feld in Nitrat zu ertränken, sollen die schlauen Landmaschinen nur noch gezielt spritzen. Jeder Quadratmeter Acker wird optimiert und in der Handhabung beschleunigt. Die Feldpflege auf dem Land entspricht dem Anspruch nach Zeitoptimierung in der Stadt. Mit dem geringsten Aufwand soll der meiste Nutzen errungen werden. Mit Bauernregeln kommt man da nicht weiter, was es braucht, ist Hilfe von oben: Satelliten.

Big Data Acker.

Der Landwirt 4.0 zerlegt ein Feld in viele Dimensionen. Jede Dimension spiegelt einen bestimmten Aspekt wieder, etwa Art des Bodens, Gehalt von Nährstoffen oder Bepflanzung des Feldes. Ein Teil dieser Informationen stammt von Satellitenbildern und GPS-Daten. Übereinander gelegt, bilden diese Dimensionen ein komplexes Gefüge – den wahren Zustand des Ackers, der immer in Echtzeit abrufbar ist. Wie bei einem autonomen Auto in der Stadt, das auf Grundlage von Staudaten seine Route optimiert, wird so die Menge an Düngemittel je Teilstück des Feldes und des Pflanzenwachstums bestimmt. Man stelle sich vor, ein Auto würde die optimale Route nicht nur aufgrund von Verkehrsaufkommen, sondern auch auf Grundlage von Straßenbelag, Ampelschaltungen und schönsten optischen Eindrücken optimieren. Ist am Ende die Landwirtschaft 4.0 ein Ideengeber für die unausgeschöpften Potenziale selbstfahrender Autos?

Noch in den Kinderschuhen.

Ein moderner Mähdrescher ist ein Hochleistungskoloss auf mannshohen Zwillingsreifen. Mit einer Schnittweite von 12 Metern erntet er in der Stunde 7 Hektar ab – was in etwa einer Fläche von 10 Fußballfeldern entspricht. Dieses Tempo schafft der Mähdrescher nicht, weil er wie eine besengte Sau über den Acker prescht – obwohl ihm 650 PS zur Verfügung stehen –, sondern weil er so gut wie nie still steht. Nun soll die Maschine diese Performance ganz ohne die Hilfe des Menschen absolvieren. Autonom steuernde Landmaschinen befinden sich wie ihre Verwandten auf der Straße noch in der Entwicklungsphase. Dieses Frühjahr rollte der erste autonom fahrende Mähdrescher über die Felder der russischen Republik Tatarstan. Die Ernte sollte ganz ohne menschliche Unterstützung erfolgen.

Im August wurde in den USA erstmals ein Traktor ohne Fahrerkabine vorgestellt: der Case iH Magnum. Die Hersteller versprechen sich von autonom fahrenden Landmaschinen eine immense Steigerung der Produktivität. „Mehrere autonome Traktoren können als Flotte oder in Form von mehreren Teilflotten auf unterschiedlichen Feldern zusammenarbeiten und dabei vorprogrammierte Karten und Mengensteuerungsdaten nutzen. So kann ein Traktor einen Pflug ziehen, dicht gefolgt von einem zweiten mit einer Sähmaschine.“ Die gesamt Flotte ließe sich über einen Desktop-Computer steuern. Oder vom Tablet, während der Landwirt von einem anderen Traktor aus seine Flotte kontrolliert. Das Video von Case iH demonstriert dies hervorragend.

Wo bleibt die Cloud?

Die vollvernetzte Landwirtschaft 4.0 lässt Landmaschinen-Hersteller und Softwareunternehmen von großen Gewinnen träumen. Selbst Konzerne wie SAP wollen einsteigen. Schließlich geht es um Datenströme, die demnächst den Petabyte-Bereich übersteigen werden. Gäbe es hier nicht Herausforderungen, die mit den Kompetenzen der Daimler AG korrespondieren?

Wenn bald die Maschinen untereinander oder mit dem eigenen Server auf der Farm kommunizieren sollen, dann braucht es Dienstleister, die diese Flut von Daten sinnvoll und sicher verwalten. Steht neben dem Bauernhof bald ein Rechenzentrum oder läuft alles über die Cloud? Beides ist in Deutschland schwer vorstellbar, da Netzabdeckung und der Ausbau des Internets Neuland-Charakter haben. Also werden wohl die führenden Landwirtschaftsindustrien wie die USA, Kanada und Russland das Rennen machen. So wird aus einem Technologievorsprung ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Stattdessen sollen Motoren in Zukunft Hybridantriebe sein, die automatisch erkennen, was sie gerade antreibt: Diesel, Pflanzenöl oder Strom. Wie das Unternehmen John Deere auf dem Acker, hat die Daimler AG auf der Straße mit dem Urban eTruck echte Pionierarbeit geleistet. Bis autonome Traktoren auf den Feldern ihre Furchen ziehen, wird aber noch einige Zeit vergehen.

Qualmende Kraftprotze.

Ein Problem bleibt aber auf weite Sicht für alle ungelöst: Landmaschinen sind Kraftstofffresser. Elektromotoren in der Landwirtschaft? Das ist Zukunftsmusik. Auch wenn der Marktführer unter den Traktorherstellern John Deere im März 2016 einen Prototyp mit einer 850 kg schweren Batterie vorstellte, wird die Serienreife vor 2025 nicht erreicht sein. Ein vollelektronischer Traktor ist aus Sicht von John Deere auch gar nicht sinnvoll.

Qualmende Kraftprotze.

Ein Problem bleibt aber auf weite Sicht für alle ungelöst: Landmaschinen sind Kraftstofffresser. Elektromotoren in der Landwirtschaft? Das ist Zukunftsmusik. Auch wenn der Marktführer unter den Traktorherstellern John Deere im März 2016 einen Prototyp mit einer 850 kg schweren Batterie vorstellte, wird die Serienreife vor 2025 nicht erreicht sein. Ein vollelektronischer Traktor ist aus Sicht von John Deere auch gar nicht sinnvoll.

Stattdessen sollen Motoren in Zukunft Hybridantriebe sein, die automatisch erkennen, was sie gerade antreibt: Diesel, Pflanzenöl oder Strom. Wie das Unternehmen John Deere auf dem Acker, hat die Daimler AG auf der Straße mit dem Urban eTruck echte Pionierarbeit geleistet. Bis autonome Traktoren auf den Feldern ihre Furchen ziehen, wird aber noch einige Zeit vergehen.