Navigation

Die 4. Dimension des Sehens.

Augmented Reality kurz vor dem Durchbruch zur Massentechnologie.

Der Speer: ein Smartphone. Die Beute: ein kleines virtuelles Monster. Wer sich in den letzten Wochen nicht in irgendeiner Höhle verkrochen hat, wird an Pokémon Go nicht vorbeigekommen sein. Der Hype um das Sammel- und Jagdspiel ging weltweit durch die Medien und womöglich wurde Euer Kind, Kumpel oder Kollege vom Jagdfieber gepackt. Was trennt den Homo digitalis vom Homo erectus? Was können wir lernen aus diesem Fest der Steinzeittriebe im postmodernen Gewand?

Credit: Mashable

Hypes kommen. Hypes gehen. Aber dieser Hype ist ein Durchbruch für eine Technologie: Augmented Reality (AR) ist dank Pokémon Go in der breiten Masse angekommen. Sie wird so selbstverständlich werden wie der Einsatz des Smartphones selbst. Aber die Technologie gab es schon lange vorher.

Neolithikum der Geeks.

1982 debütierte die AR-Technik im amerikanischen Fernsehen in Form von animierten Wetterberichten. Eine Darstellungsform, die für uns heute selbstverständlich ist. 1990 wurde der Begriff Augmented Reality von den Boeing-Ingenieuren ins Leben gerufen. Tom Caudell und David Mizell erfanden eine Möglichkeit, die den Bau von Flugzeugen erheblich beschleunigen sollte. Statt riesige Schaltpläne auf Papier zu benutzen, wurden die Verknüpfungen zwischen den Kabellagen digital auf Head-Mounted Displays (HMD) dargestellt. Auf diese Weise wurden den Arbeitern digitale Echtzeit-Bauanleitungen zur Verfügung gestellt (Guided Working). Dies ist bis heute die wichtigste Funktion von AR, neben seiner Anwendung im Entertainmentsektor.

Neolithikum der Geeks.

1982 debütierte die AR-Technik im amerikanischen Fernsehen in Form von animierten Wetterberichten. Eine Darstellungsform, die für uns heute selbstverständlich ist. 1990 wurde der Begriff Augmented Reality von den Boeing-Ingenieuren ins Leben gerufen. Tom Caudell und David Mizell erfanden eine Möglichkeit, die den Bau von Flugzeugen erheblich beschleunigen sollte. Statt riesige Schaltpläne auf Papier zu benutzen, wurden die Verknüpfungen zwischen den Kabellagen digital auf Head-Mounted Displays (HMD) dargestellt. Auf diese Weise wurden den Arbeitern digitale Echtzeit-Bauanleitungen zur Verfügung gestellt (Guided Working). Dies ist bis heute die wichtigste Funktion von AR, neben seiner Anwendung im Entertainmentsektor.

Credit: Mashable

Hypes kommen. Hypes gehen. Aber dieser Hype ist ein Durchbruch für eine Technologie: Augmented Reality (AR) ist dank Pokémon Go in der breiten Masse angekommen. Sie wird so selbstverständlich werden wie der Einsatz des Smartphones selbst. Aber die Technologie gab es schon lange vorher.

Hypersterile Funktionswelten.

AR findet bereits in vielen industriellen Bereichen seine Anwendung. Solche „digitalen Bauanleitungen“ gibt es u.a. für Chirurgen, Mechaniker, Ingenieure oder Lagerarbeiter. Im Marketing werden AR-Apps genutzt, um den Nutzer fröhlich durchs Leben zu leiten, sei es, dass ihn virtuelle Pinguine zum Zoo führen, ihn AR-animierte Flyer ins Theater locken oder um ihm einzelne Bedienelemente eines Autos zu erklären. Technik braucht neben Qualität eine erfahrbare Leidenschaft, so wie Autos Wettrennen brauchen, um ihren ganzen Emotionskosmos zu erfahren. Es müssen nicht immer die konventionellen Leidenschaften sein, die einer Technologie zum Durchbruch verhelfen.

Man denke an die gute alte VHS-Kassette. Sie hätte den Marsch in die Wohnzimmer der Welt nicht geschafft, wenn sie nicht zwei Eigenschaften gehabt hätte: 1.) Im Gegensatz zum Konkurrenz-Format der Video-Platte konnte man die VHS-Kassette kopieren, selbst bespielen und überschreiben. 2.) Sie verhalf den Menschen zu einem Unterhaltungsspektrum, das vorher nur begrenzt zur Verfügung stand: Pornos.

Globale AR-Welten

Was wäre, wenn unser gesamtes Leben mittels AR unterstützt werden würde? Wenn im Wohnzimmer alles über Gesten und Einblendungen auf dem Smart Glass gesteuert würde: die Lichtschalter, die Farbe der Tapete, die Anzahl und Auswahl der Video-Kanäle, die Chats mit Freunden, die Bestellungen von Pizza, Schuhen und des Babysitters mit gekoppelter Koordination der Termine des nächsten Tages? Was wäre, wenn jede erdenkliche Oberfläche in den eigenen vier Wänden AR-gesteuert wäre? Und wenn wir das Haus verließen, würden wir eben auf eine Welt stoßen, in der überall zusätzliche Informationen und Angebote eingeblendet werden würden. Der Video-Künstler Keiichi Matsuda gibt uns in seinem Kurzfilm „Hyper Reality“ die Chance, in eben diese Welt einzutauchen.

Auch wenn dies zunächst zu quirlig und zu bunt erscheinen mag, so erfährt der Zuschauer zumindest ein rundum vernetztes AR-System, das in der gesamten urbanen Infrastruktur seine Anwendung findet. In der Zukunft wird die AR-Technologie kein temporäres Vergnügen sein, das mit einem bestimmten Ort verbunden ist. Es wird keine kleine Insel geben, wo man mal einen oder zwei iBeacons ausprobieren kann. Stattdessen wird die Umwelt die ganze Zeit mit einem kommunizieren. Man wird sich durch ein grenzenloses Netzwerk von Smart Places bewegen. Das erfordert auch eine neue Definition des öffentlichen Raums – denn wem gehört der öffentliche virtuelle Raum? Wer entscheidet, wo welche Inhalte gezeigt werden dürfen?

Schafft AR unsere Fenster ab?

Interessant sind AR-Anwendungen vor allem dann, wenn sie interaktiv sind und sich in Echtzeit aktualisieren. 2014 stellte Jaguar das Konzept des Virtual Windscreens vor. Dem Fahrer werden neben aktuellen Navigationsdaten ortsbezogene Angebote eingeblendet. Blickt man durch den Virtual Windscreen in die Welt, erkennt man leicht, wo sich Hotels, Tankstellen oder Parkplätze befinden, und erhält zudem detaillierte Zusatzinformationen. Darüber hinaus dient die AR-Technologie in diesem Auto dazu, die A- und B-Säule zu eliminieren: ein Auto mit 360°-Rundumsicht. Stellt Euch ein Auto vor, in dem Euer Auge nie auf Sichtbehinderungen stoßen würde – wäre das Fahren nicht viel sicherer? Dank Startup Autobahn konnten wir Mitte Juli dem Smart-Glass-Startup Gauzy die Chance geben, in eben diese Richtung weiterzudenken.

Doch vielleicht sieht die Zukunft der Autos ganz anders aus. Was wäre, wenn die AR-Technologie unsere Fenster abschaffen würde? Bei Toyota und Lamborghini träumt man davon, und es gibt einige Flugzeugbauer, die ernsthaft überlegen, fensterlose Flugzeuge zu bauen, um sie dadurch stabiler zu machen. Diese Visionen bringen uns in einen Bereich, wo Augmented Reality sich mit Virtual Reality überschneidet. Wäre das nicht spektakulär?