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In-Car-Purchase: Sonderausstattungen auf Abruf.

Freemium als Geschäftsmodell der Zukunft? Was das Auto von Computerspielen lernen kann.

Lass uns spielen, ernsthaft.

Wie würde eine Welt ohne Grafikkarten aussehen? Eine Gegenwart ohne animierte Videos, ohne digitale Filmeffekte, ohne 3D-Modelle für Wissenschaft, Design oder Architektur? Einzig den Computerspielen ist es zu verdanken, dass es nicht so weit gekommen ist. Die Erfolge von Ego-Shootern wie „Doom“ oder „Wolfenstein“ in den 90ern spornten die Grafikkarten-Hersteller zu Höchstleistungen an. Doch nicht nur die technischen Entwicklungen und Trends der Computerspiele von gestern prägen den Alltag von heute, sondern auch ihre innovativen Vertriebsmodelle. Anfangs gab es zwei Arten, Spiele erfolgreich zu vermarkten: Verkaufen oder Verschenken. Kurze Zeit später erfand man zwei weitere Vertriebsoptionen. Zum einen war dies die Demo: Eine freie Version, die zum Erwerb des vollen Spiels verführen soll. Zum anderen war es eine Abo-Funktion, die sich mit dem Aufkommen der Online-Rollenspiele etablierte. Beim sogenannten Subscription-Modell zahlt man einen monatlichen Beitrag, um ein Spiel ohne Einschränkungen nutzen zu können.

Solche Verkaufsstrategien sind auch in der Autoindustrie bekannt: Die Vollversionen sind Fahrzeuge, wie man sie seit hundert Jahren im Autohaus findet. Eine Testfahrt beim Händler entspricht einer Demoversion des Autos. Abonnements finden sich kurzfristig in Sharing-Diensten, mittelfristig in Mietwagen und langfristig in Leasing-Modellen wieder. Doch in der Welt der Computerspiele hat sich zusätzlich noch ein gänzlich neues Geschäftsmodell entwickelt, welches auf dem Automarkt noch nicht existiert: Freemium.

Die Studie zeigt: Das Geschäftsmodell ist ungeheuer erfolgreich. Wie sähe also das Freemium-Geschäftsmodell für Autos aus?

Kleines Geld – großer Erfolg.

Freemium bedeutet, dass ein Basisprodukt kostenlos angeboten wird. Funktionen, die diese einfache Version erweitern, müssen einzeln oder in Paketen hinzugekauft werden. Besonders für Handyspiele stellte sich eine Freemium-Strategie als profitabel heraus. Vor einigen Monaten untersuchte MacStories 200 der umsatzstärksten Programme des US App Store von Apple. Zwei Drittel davon: Freemium-Spiele. Der gesamte Umsatz erfolgte durch die sogenannten In-App-Purchases, Verkäufen innerhalb des Computerspiels. Es handelt sich in der Regel um Kleinstbeträge zwischen einem und zehn US-Dollar, die jedoch den gesamten Profit bis in den Millionenbereich erwirtschaften. Zwar lassen sich die Spiele-Apps auch von Anfang bis zum Ende ohne Kosten nutzen. Wer die Level aber schneller absolvieren will, exklusive Upgrades oder individuell designte Ausrüstungen für den eigenen Spielcharakter wünscht, muss diese mit echtem Geld erwerben.

Kleines Geld – großer Erfolg.

Freemium bedeutet, dass ein Basisprodukt kostenlos angeboten wird. Funktionen, die diese einfache Version erweitern, müssen einzeln oder in Paketen hinzugekauft werden. Besonders für Handyspiele stellte sich eine Freemium-Strategie als profitabel heraus. Vor einigen Monaten untersuchte MacStories 200 der umsatzstärksten Programme des US App Store von Apple. Zwei Drittel davon: Freemium-Spiele. Der gesamte Umsatz erfolgte durch die sogenannten In-App-Purchases, Verkäufen innerhalb des Computerspiels. Es handelt sich in der Regel um Kleinstbeträge zwischen einem und zehn US-Dollar, die jedoch den gesamten Profit bis in den Millionenbereich erwirtschaften. Zwar lassen sich die Spiele-Apps auch von Anfang bis zum Ende ohne Kosten nutzen. Wer die Level aber schneller absolvieren will, exklusive Upgrades oder individuell designte Ausrüstungen für den eigenen Spielcharakter wünscht, muss diese mit echtem Geld erwerben.

Die Studie zeigt: Das Geschäftsmodell ist ungeheuer erfolgreich. Wie sähe also das Freemium-Geschäftsmodell für Autos aus?

Freemium fürs Auto?

Man stelle sich vor, eine brandneue S-Klasse steht vor der Haustür. Man steigt ein und fährt los – völlig kostenfrei, denn man nutzt das Fahrzeug in der Basisversion. Das Auto ist fahrbereit und alle sicherheitsrelevanten Fahrassistenten sind verfügbar, aber die Klimaanlage, das Soundsystem, die Sitzheizung bleiben ausgeschaltet – und bereits bei 110 km/h ist das Geschwindigkeitslimit erreicht. Um weitere Funktionen und Services als Fahrer nutzen zu können, muss die Ausstattung des Autos wie ein Charakter im Computerspiel individuell konfiguriert werden. Für geringe Aufpreise lässt sich, auf die jeweilige Fahrt befristet, der eigene Spotify-Account des Smartphones mit dem Burmester-Soundsystem synchronisieren.

Um zusätzlich den 3D-Bass zu aktivieren, benötigt man außerdem noch ein Premium-Update. Natürlich lassen sich alle Features auch in einem Rundum-sorglos-Paket freischalten. Ist ein solches Platin-Bundle gewählt, stehen alle Features und Funktionen einschließlich der maximalen Höchstgeschwindigkeit ohne weitere Einschränkungen zur Verfügung. Außerdem hält das System ein paar exklusive Überraschungen bereit: Sonderdüfte für die Klimaanlage, Film-Previews noch eine Woche vor dem offiziellen Start auf Netflix und eine Cappuccino-Flatrate beim Lieblings-Coffeeshop.

Das Airline-Modell.

Allein, das Wissen darum, dass man mit Leichtigkeit ein atemberaubendes Upgrade erhalten könnte, ist ein unwiderstehlicher Nervenkitzel. Ein Thrill, der Spaß macht, der einen auffordert, jetzt das Leben in vollen Zügen zu genießen – die paar Cent sind kein großes Hindernis. Man will nicht irgendwann gewinnen, sondern genau in diesem Augenblick. Airlines kennen ihre Kunden offensichtlich sehr gut. Der Bauch sagt: Jetzt London – und nicht Berlin. Für 5 Euro steigt man in den Billigflieger und macht die eigenen Wünsche umgehend war. Aber ohne jeglichen Schnickschnack: kein Gepäck, keine Getränke, kein Essen – das nennt man No-Frills. Und trotzdem wurde das Ziel sicher und heil erreicht. Billig-Airlines wie Ryanair folgen diesem Konzept mit großem Erfolg. Der irische Fluganbieter ist nach Passagierzahlen die größte Fluggesellschaft Europas – noch vor der Lufthansa. 117 Millionen Reisenden können sich nicht irren. Und Ryanair lässt dabei nicht nur ihre Kunden für alle Extras zahlen. Sie gehen noch einen Schritt weiter: 1994 wurde die gesamte Flotte auf den Flugzeugtyp Boeing 737 umgerüstet. Ein Flieger, der offensichtlich allen Ansprüchen gerecht wird.

Übertragen auf das Auto würde das bedeuten: One car fits all. Die Differenzierung erfolgt ausschließlich über die In-Car-Käufe des Fahrers und Sonderausstattungen auf Abruf. Fiktion oder Realität? Willkommen in der schönen neuen Welt…

Autoren: David Menzel, Jean-Paul Olivier und Leo Burkhardt