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Segway to Heaven? / Part II

Weiter geht's.

Im ersten Teil der Serie ging es um tragbare Micro Mobility: Hoverboards zum Beispiel oder Segways. Diesmal dreht sich alles um die nächstgrößere Stufe, aber noch vor dem Auto. Moderne Fuhrwerke, die überdacht sind und leichter als Pkws. Nicht ganz trifft es der Mini von Mr. Bean, der von einem auf dem Dach angeschnallten Sessel gesteuert wird. Oder das fußbetriebene Familienauto der Flintstones.

Schon immer modern.

Micro Mobility ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sondern besitzt eine lange Tradition. Bereits in den den 1930er Jahren entwickelte man Ideen für Kleinstwagen, die wie das waghalsige Einrad-Fahrzeug nicht gerade massentauglich waren. In der Nachkriegszeit waren die Ressourcen knapp, aber der Bedarf an erschwinglicher Mobilität so hoch wie nie zuvor. Drei der Mini-Autos wurden zu Symbolen des Aufschwungs. Zum einen war dies der Rekorde brechende Messerschmitt-Kabinenroller. Dann gab es da die BMW Isetta, ein ulkiger Blickfang mit Fronteinstieg. Sie erwies sich als wirtschaftlicher Erfolg und als Segen für alle, die mit kleinem Geld auskommen mussten.

Die Rollerfirma Piaggio war für den dritten der legendären Wagen verantwortlich: Die Rede ist vom Minilaster Ape. In Italien ist er noch heute unter Pizzabäckern und Altstadt-Kurieren beliebt. Nicht selten fahren Baristas mit aufmontierten Kaffeemaschinen durch die engen Gassen von Rom und Neapel, um den heiß geliebten Kaffee direkt an der Haustür zu servieren. Doch mit dem steigenden Wohlstand wuchs auch der Wunsch nach größeren Wagen. Die Kleinstfahrzeuge wurden wieder zum Nischenprodukt. Bis die Megacities an der Schwelle des 21. Jahrhunderts auf den Plan traten.

Ein Ninja der Neuzeit.

Alle großen Metropolen dieser Welt leiden heute unter Smog und Straßenlärm, überfüllten Straßen und wenig Parkraum. Es scheint, als ob die Micro Mobility die Antwort darauf sein könnte – allerdings in moderner Form. Elektronisch und flink stehlen sich die schmalen Gefährte durch engste Gassen, passen in die kleinsten Lücken und lassen sich überall blitzschnell aufladen: ein echter Ninja neben den behäbigen Pkws.

Mit einem Wendekreis von gerade mal drei Metern windet sich das Elektrodreirad iRoad von Toyota durch die Staus von Tokio. Hierzulande ist der Twizy von Renault ein Hingucker, mit dem sich übrigens auch ausgezeichnet driften lässt. Ganze Marken haben sich heute auf Kleinstfahrzeuge spezialisiert, so etwa die französischen Hersteller Aixam oder Ligier. Und die Konkurrenz schläft nicht. Rund um den Globus entwickeln Start-ups ihre ganz eigene Version der Stadtmobilität der Zukunft.

Faszinierende Studien werden crowdfinanziert von Uniti vorgelegt, ebenso sind flotte Dreiräder von Elio, Twike oder Sam zu bewundern. Die außergewöhnlichste Idee stellt sicherlich das Zweirad von Lit Motors dar. Im Gegensatz zu seinen Verwandten ist es gyroskopisch stabilisiert, so dass es sogar bei kräftigen und ruckartigen Impulsen nicht umfallen kann. Die Erfinder von Local Motors arbeiten an einem bereits fahrbaren Prototypen aus dem 3D-Drucker.

Think Big, Build Small.

Wo liegen die Vorteile dieser neuen Generation von Fahrzeugen? Neben geringen Anschaffungskosten und umweltfreundlichem Antrieb macht der verbesserte Witterungsschutz auch bei Schlechtwetter gute Laune. Außerdem dürfen die Leichtfahrzeuge schon ab 16 Jahren genutzt werden. Einziger Wermutstropfen: Für die junge Zielgruppe gilt eine gesetzliche Drosselung von 45 km/h. Mit voller Leistung schaffen die Autos bis zu 90 km/h. Mithilfe intelligenter Sensoren, die automatisch Abstände einhalten und im Notfall abbremsen, mögen sich in naher Zukunft die Gesetze ändern. Das würde die Attraktivität für Carsharing im Micro-Mobility-Bereich noch weiter erhöhen. Und selbst wenn nicht: Bei offenen Fahrzeugseiten wird der Fahrtwind erst richtig spürbar. Dabei fühlt sich gleich alles viel schneller an. Wer schon einmal mit 50 km/h auf einem Fahrrad saß, weiß, was gemeint ist. Schließlich könnte auch die Technologie des autonomen Fahrens die U18-Fraktion noch mobiler machen.

So entwickelt das Start-up Auro seine eigene Vision des autonomen Fahrens, zunächst jenseits der unberechenbaren Straße. Ein kleines Shuttle soll Schüler oder Studenten über den Campus, Fluggäste zu einem anderen Terminal oder Mitarbeiter über das Firmengelände fahren. Gerade im ländlichen Raum eröffnen solche Ideen für alte oder beeinträchtigte Menschen neue Perspektiven. Der Einwand, dass je kleiner ein Fahrzeug umso kleiner auch dessen Reichweite ist, gilt nur bedingt. Ein durchschnittlicher Fahrtweg in Deutschland ist rund zwölf Kilometer lang. Dafür reicht selbst das kleinste Elektroauto der Welt, der neu aufgelegte Peel P50 mit einer maximalen Reichweite von 25 Kilometern. In der Stadt sind die Wege meist kürzer.

Wie stehen die Zeichen für Micro Mobility in der Zukunft? Am angelsächsischen Enthusiasmus kann man sich fern der Insel jedenfalls noch eine Scheibe abschneiden. Die flinken Fahrweisen lehren die Straßen Asiens. Die modernen Elektroflitzer sind sauber und schnell. Aber nur mit Kreativität und Spaß kann das Bild moderner Städte ein zweites Mal in der Geschichte von den wendigen Gefährten geprägt werden.

Mut zum Spaß.

Dass Micro Mobility auf überfüllten Straßen oft der sinnvollste Weg ist, sich fortzubewegen, zeigen die wuseligen Roadways in China und Indien. Während Pkws und Lkws stehen, schlängeln sich unzählige Zwei- und Dreiräder durch die Zwischenräume. Besonders virtuose Fahrer neigen ihre Fahrzeuge gar zur Seite. Man mag es kaum glauben, aber es gibt Fahrzeuge, deren ganzer Spaß im Umfallen besteht. Wir stellen vor: den Reliant Robin. In den 1970ern entworfen und gebaut, ist es spätestens seit Mr. Bean ein liebevoll gepflegtes Hassobjekt. Ob für Stunts, tumultartige Rennen oder Fußballspiele bis hin zu unfassbaren Space-Shuttle-Umbauten – die Briten sind ganz verrückt nach den kleinen Autos mit drei Rädern.

Mut zum Spaß.

Dass Micro Mobility auf überfüllten Straßen oft der sinnvollste Weg ist, sich fortzubewegen, zeigen die wuseligen Roadways in China und Indien. Während Pkws und Lkws stehen, schlängeln sich unzählige Zwei- und Dreiräder durch die Zwischenräume. Besonders virtuose Fahrer neigen ihre Fahrzeuge gar zur Seite. Man mag es kaum glauben, aber es gibt Fahrzeuge, deren ganzer Spaß im Umfallen besteht. Wir stellen vor: den Reliant Robin. In den 1970ern entworfen und gebaut, ist es spätestens seit Mr. Bean ein liebevoll gepflegtes Hassobjekt. Ob für Stunts, tumultartige Rennen oder Fußballspiele bis hin zu unfassbaren Space-Shuttle-Umbauten – die Briten sind ganz verrückt nach den kleinen Autos mit drei Rädern.

Wie stehen die Zeichen für Micro Mobility in der Zukunft? Am angelsächsischen Enthusiasmus kann man sich fern der Insel jedenfalls noch eine Scheibe abschneiden. Die flinken Fahrweisen lehren die Straßen Asiens. Die modernen Elektroflitzer sind sauber und schnell. Aber nur mit Kreativität und Spaß kann das Bild moderner Städte ein zweites Mal in der Geschichte von den wendigen Gefährten geprägt werden.

Autoren: Christian Geiss und Leo Burkhardt