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Social Media Cars.

Wunderkammer Social Web.

Boo ist ein Hund. Das kleine knuddelige Wollknäuel mit den Knopfaugen ist so süß, dass ihm 17 Millionen Menschen auf Facebook zu Füßen lagen und einen “Like” spendiert haben. Das Social Web steckt voller absurd wirkender Leidenschaften: Menschen rund um den Globus fiebern mit, wenn Spielzeuge ausgepackt werden oder glühende Metallkugeln und hydraulische Pressen beliebige Objekte zerstören. Dem Social Web verdankt man großartige Memes wie die Rückkehr der Einhörner oder die Auferstehung von Grumpy Cat. Warum haben eigentlich Autos keine Social-Media-Profile? Welches Potenzial könnte sich entfalten, würde sich Grumpy Cat in Grumpy Car verwandeln?

Heute: Gedankenspiele.

Grumpy Car wäre eine App, die man auf dem Dashboard seines Fahrzeugs öffnen kann. Einmal aktiviert, sendet ein Bot Nachrichten in die sozialen Kanäle: Facebook, Instagram, Snapchat, WhatsApp – wo auch immer man Botschaften absetzen möchte. Die App nutzt Sensoren und Kameras des Fahrzeugs, interpretiert die Straßenlandschaft und übersetzt seine Eindrücke in grummelige Posts: “Schon wieder eine Straße voller Vollpfosten. #wannlerntihrendlicheinparken.” Dazu spendiert die Frontkamera ein Foto, auf dem man eine Straße mit schlecht geparkten Autos sieht. Oder: “Wer schickt sein Auto bei diesem Sauwetter vor die Tür? #ichwillinsparkhaus”. Dazu ein Fotopost vom Regen. Oder: “Na, da ist doch endlich mal ein richtiger Fahrer am Steuer #croovemebaby” – plus Bild von einem Mitarbeiter des Carsharing-Dienstes Croove, der gerade einen Wagen zurück zum Kunden bringt. Wenn ein Auto mit Likes betrieben werden kann, dann kann auch ein Grumpy Car bei erfolgreichen Posts seine Laune ändern.

Auch wenn noch niemand die Grumpy-Car-App programmiert hat, stellt sie nur eine mögliche Spielart dar, wie man das Social Web mit der Fahrerkabine verbinden kann. Genauso gut könnte man sich eine App à la Boo vorstellen, die süße Hunde auf dem Gehweg meldet, oder eine andere App, die eher flirty unterwegs ist. Und so wird selbst die Parkplatzsuche zu einem Gaudium, das im Social Web seine Anerkennung finden wird. Denn Humor ist eine der wichtigsten Währungen in diesem Kosmos – das zwitschernde Auto wäre eine neue, bislang kaum genutzte Nische.

Morgen: Social-Media-Star.

Einige mögen die sozialen Netzwerke ablehnen, für andere gehören sie schlichtweg zum Alltag. Egal zu welcher Seite man tendiert, eines ist doch auffällig: Die Leute wollen Zugang zum Internet haben. Es ist ein Kaufkriterium so wie die Leistung des Motors, das Design und die Lackfarbe. Die Frage, die bleibt, lautet: Was machen wir damit? Social Media könnte ein Weg sein, unsere Autos sicherer zu machen. Ein Auto, das aufgebrochen wird, könnte schon während der ersten Anzeichen gewaltsamer oder anderer illegaler Aktivitäten Kontakt mit dem Twitter-Kanal der Polizei aufnehmen. Das Fahrzeug könnte sich selbst öffnen, den Dieb hereinlassen, sich wieder verschließen und auf die Ankunft der Kommissare warten. Grumpy Car würde vielleicht noch ein Selfie mit dem Straftäter machen: #katzundmaus.

Social Media verbindet sich schon jetzt mit den Dingen, die wir alltäglich erleben, warum sollte dies nicht auch mit unseren Erlebnissen auf der Reise durch urbane und unberührte Landschaften passieren? Integriertes In-Car-Karaoke für den nächsten Stau, exklusive Instagram-Filter für die beeindruckendsten Roadtrip-Bilder, ein automatischer Post des Songs, der gerade gehört wurde – als man laut mitgesungen hat. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und könnten neue USPs für bestimmte Automodelle schaffen.

Man stelle sich vor, man kauft sich ein Auto und darf auswählen, welche persönlichen Eigenschaften das Auto neben der Motorleistung haben soll: Soll es einem persönliche Songs für die Fahrt komponieren, verfasst es Gedichte oder kennt es die besten Witze für Kinder? Oder zockt man gemeinsam eine Runde und nutzt dabei das Lenkrad als Controller und die Hupe als Action-Button? Das Social Media Car wird kommen, gerade weil das autonom fahrende Auto eine künstliche Intelligenz besitzt – und diese lässt sich auch für mehr Dinge nutzen, als nur Hindernissen auszuweichen. Daneben werden digitalisierte Oberflächen neue Interfaces für unsere Kommunikation schaffen. Scheiben, die sich in Displays verwandeln, werden für den Fahrer kommunizieren. Alles, was wir früher durch Hupen und wilde Gesten ausdrücken mussten, kann mit Hilfe vom Auto gesagt werden und gleichzeitig als interessante Story im Social Web landen.

Ein Like für die Zukunft.

Wann kommt das Social-Media-Auto? Sicherlich, die Beispiele sind noch rar gesät. Autos werden über Twitter verkauft, und zahlreiche Fotogalerien tummeln sich im Netz. Bastler integrieren Kameras in den Innenraum, um atemberaubende Aufnahmen während der Fahrt zu ermöglichen. Mit Googles Android Auto und Apples CarPlay wurden bereits internetfähige Schnittstellen entwickelt, die Apps per Sprachsteuerung sicher in die Fahrerkabine bringen. Beim Einsteigen wird die Lieblings-Playlist auf Spotify oder ein spannendes Hörbuch via Audible aufgerufen. In Zukunft wird man einfach einsteigen – und das Auto weiß, wohin es gehen soll: zum Beispiel auf Grundlage des eigenen Facebook-Profils.

Autoren: David Menzel, Jean-Paul Olivier und Leo Burkhardt