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Brutstätten der Innovation.

Wie Inkubatoren und Acceleratoren die Wirtschaft in Schwung bringen.

„Incubatio“ ist lateinisch und bedeutet „das Brüten“. Ein 8 cm großer Kap-Brillenvogel brütet seine Eier etwa zehn Tage, der gemeine Vogelstrauß sechs Wochen. Versteht man dies als ein Gleichnis, dann sind Unternehmen oftmals schöne, sehr erfolgreiche Vögel – mit langen Brutzeiten. Sie sind der ständigen Gefahr ausgesetzt, die Fortschritte der Evolution zu verpassen, weil die Sprösslinge zu lange brauchen, bis sie flügge werden. Da braucht es schon manchmal ein Wunder. Inkubatoren und Acceleratoren sollen eben dieses Wunder vollbringen und die Sprösslinge namens Innovationskraft, Erfindergeist und Gründungskultur fördern.

Durch die Decke schießen mit System.

Täglich wachsen neue Start-ups aus dem Boden – insbesondere im Silicon Valley. Sie liefern neue Material-, Technologie- und Dienstleistungslösungen sowie innovative Geschäftsmodelle und eröffnen unbekannte Märkte. Eines ist den meisten dabei gemein: Sie haben kaum Eigenkapital, keine Kunden, ihnen fehlt die Erfahrung, ein eigenes Unternehmen zu führen – und letzten Endes sind sie noch nahezu unbekannt. Bevor sie also wie Dropbox oder Instagram durch die Decke schießen, suchen Start-ups Hilfe. Sie tummeln sich auf Hackathons, Konferenzen oder bei Förderwettbewerben und promoten ihre Geschäftsideen, die im ersten Schritt oftmals noch an Kamikazeflüge erinnern – ganz wie beim Vögelchen, das zum ersten Mal das Nest verlässt.

Die Accelerator-Strategie hat sich bewährt. Das Joint Venture des Axel-Springer-Verlags mit dem im Silicon Valley ansässigen Plug and Play Accelerator hat bereits über 1.200 Start-ups unterstützt. Die Liste von digitalen Akquisitionen ist lang und reicht von der Sport-App Runtastic bis zum Start-up-Magazin Gruenderszene.de. Insgesamt hat der Konzern seit 2006 3,4 Milliarden Euro für Digitalfirmen ausgegeben. Zuletzt kaufte man die Immobilienplattform Immowelt, aber auch die Tech-Konferenz hy! oder die Ferienplattform @Leisure.

Was ist ein Accelerator?

Ein Accelerator http://wayra.co/enhttp://www.startupbootcamp.org/ist ein kurzfristiges Förderprogramm für Early-Stage-Start-ups, das Neugründer einige Monate lang anschiebt. Man bietet dem Start-up eine meist fünfstellige Seed-Finanzierung und stellt den Gründern neben Büroflächen auch Know-how, Netzwerke und erste PR-Kanäle zur Verfügung. Für die gebotene Leistung zahlen Start-ups oft mit Mitspracherechten und Anteilen für beteiligte Unternehmen.
Die zehn bedeutendsten in Deutschland agierenden Acceleratoren sind Axel Springer Plug and Play Accelerator, Telekoms hub:raum Accelerator, Telefónicas Wayra, Berlin Hardware Accelerator, ImmobilienScout24s You Is Now Accelerator, Startupbootcamp, Microsoft Ventures Accelerator, ProSiebenSat.1 Accelerator, German Silicon Valley Accelerator und Seedcamp. In der Regel fokussieren sie sich auf bestimmte Schwerpunkte – beispielsweise bei Plug and Play auf digitale Geschäftsideen, bei hub:raum auf Internet of Things, Security und Health, beim Startupbootcamp vor allem auf Digital Health, Mobile und Fintech-Anwendungen.

Was ist ein Corporate Incubator?

Inkubatoren, wie es sie hierzulande zum Beispiel mit Rocket Internet gibt, holen sich die operative Expertise von Gründern ins Boot – und zwar für Ideen, die zuvor inhouse entwickelt wurden. Der Spielraum in Sachen Anschubfinanzierungen ist bei solchen „Company-Buildern“ deutlich größer. Außerdem findet die Betreuung der Gründer durch Netzwerke, Mentoren und Coachings in der Regel über einen längeren Zeitraum statt. Auch die Verzahnung der beiden Innovationsstrategien ist nicht neu. Für Unternehmen stellt es sich als lukrativ heraus, die besten Ideen von extern – in den Acceleratoren entwickelten Geschäftsmodellen – mit den besten Ideen von intern – den im Unternehmen neu entdeckten Geschäftsfeldern – zusammenzubringen und für den Konzern weiterzuentwickeln und nutzbar zu machen.
Auch BMW nutzt dieses Modell in seiner Kooperation mit der TU München. Mit UnternehmerTUM bietet man jungen Entwicklern und Ingenieuren die Möglichkeit, ihre Projekte zu entwickeln. Erst wenn eine Idee eine gewisse Reife erlangt hat, beginnt BMW mit der Zusammenarbeit in Form von Zugang zu Daten, Testständen, PR-Maßnahmen, Coachings in Unternehmensführung etc. Über diese Kooperation verschafft sich BMW Innovationsschübe in den Bereichen Automation and Robotics, Fintech, Electronics, Internet of Things, Industrie 4.0, Big Data, Industrie-Software, Versicherungslösungen, Mobilität und Windkraft. Statt Anteile an externen Unternehmen zu erwerben, verlangt BMW das exklusive Recht, die neue Technologie als erstes Unternehmen einsetzen zu dürfen. Und so dürfte sich BMW freuen, das Smart Parking System von „ParkHere“ verwenden zu dürfen – ein nicht unbedingt kleiner Wettbewerbsvorteil.

Wissen – der Rohstoff der Zukunft.

Dass solche Innovationsstrategien fruchten, beweist die Erfolgsgeschichte des fast totgesagten Technologiekonzerns Motorola. Seit dem Start des hauseigenen „Early Stage Accelerator“ sind mehr als 20 hausgemachte Start-ups marktreif geworden – entweder als eigenständiges Produkt oder als Komponente. Das Programm ist so erfolgreich, dass es jetzt von den USA auf Motorolas Standorte Indien, China und Israel ausgedehnt wird. Jürgen Kluge, ehemaliger Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, erklärt, was Company Building so wertvoll macht: Wissen. The winner takes it all – der Beste gewinnt in einem wissensbasierten Spiel.

Mangelware Ideentreiber.

In der globalisierten Gegenwart sind Innovationstreiber Mangelware. Weltweit buhlt man um ihr Mitwirken. Ideenentwickler, Wissensprofis und Fertigungsspezialisten, die das Um-die-Ecke-Denken als selbstverständlich sehen, muss man sich entweder züchten oder mit einem besonderen Arbeitsumfeld locken. Beides deckt die Doppelstrategie aus Incubator und Accelerator ab. Der bürokratische Aufwand geht für die Mitarbeiter gen Null, die Hierarchien sind flach, konstruktive Kritik ist eine Selbstverständlichkeit, ähnlich wie bei Google X  wird eine Fail-Fast-Kultur gelebt.
Der intrinsische Antrieb eines Incubator-Mitarbeiters liegt darin, selbstständig Prozesse zu durchdringen und zu optimieren. Statt Fließband und Stechuhren braucht er flexible Arbeitszeiten und dynamische Arbeitsplätze. Kooperatives Kreieren mit Robotern und 3D-Druck, intelligenter Prozesssteuerung – dies ist digitale Nachhaltigkeit. Bevor die Rhythmusgeber für Innovation ins Silicon Valley abwandern oder ihr eigenes Start-up gründen, sollten sie idealerweise via Kooperation auf Augenhöhe im Unternehmen gehalten werden.

Die Spiele beginnen.

Statt nur Ideen zu brüten, geht es darum, Orte zu schaffen, wo Ideen vom Küken zum ausgewachsenen Himmelsbezwinger gedeihen. Es geht nicht darum, die perfekte Idee auszutüfteln. Es geht darum, die Perfektion einer Idee zu begreifen und diese für das Unternehmen nutzbar zu machen. Wie Daimler Business Innovation die Verzahnung aus Inkubatoren und Acceleratoren nutzt, erfahrt Ihr schon bald hier im Blog!