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The Silicon Way of Live.

Wie das smart lab neue Mobilitätsdienstleistungen pilotiert.

Haßloch vs Silicon Valley.

Wenige Menschen kennen den Ort Haßloch – ein Städtchen in Rheinland-Pfalz mit rund 20.000 Einwohnern. In Haßloch wird entschieden, welche Produkte der deutsche Konsument in Zukunft erwerben kann. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) platziert in den Regalen des ansässigen Einzelhandels Waren, die erst in Zukunft in Deutschland eingeführt werden sollen. Außerdem werden in eigens gedrehten Werbefilmen und Anzeigen diese Produktpiloten beworben. Die GfK ermittelt schließlich über das Kaufverhalten, ob etwa ein neuer Schokoriegel ein Hit oder ein Flop sein wird. Was die GfK auf dem Testmarkt ermittelt, stimmt zu 90 Prozent mit späteren Marktdaten überein.

Was man in Haßloch aber nicht testet, sind neue Services für die Mobilitätsanforderungen von morgen. Und das hat einen einfachen Grund: Haßloch repräsentiert den deutschen Durchschnitt – etwa in der Altersstruktur und den sozialen Schichten. Aber es ist nicht der Wohnsitz von Early Adopters und Technologie-Enthusiasten. Wer von dieser Zielgruppe ein Feedback zu den neu entwickelten Produkten haben möchte, muss schon etwas weiter reisen. Nach Silicon Valley. Es ist nicht nur der Geburtsort des Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, sondern auch der Sitz von etlichen Tech-Giganten. Von hier kommen die Innovationen, die die Welt verändern. Wo könnte das smart lab USA besser innovative Mobilitätsservices testen, wenn nicht hier?

Disruption auf dem Prüfstand.

Ursprünglich wurde das smart lab in Deutschland gegründet, um Entwicklung und Einführung von urbanen Mobilitätslösungen zu beschleunigen. Der Daimler Think Tank entwickelt und testet connected car services, die das Leben vereinfachen sollen. Dabei verwenden sie die gleiche Technologie, die auch car2go-Fahrzeuge öffnet. Zusammengefasst werden alle diese Services unter dem Label “ready to …”. In Deutschland sorgten bereits “smart ready to drop” und “smart ready to share” für Aufmerksamkeit in der Presse. Zudem warten weitere innovative Services auf ihre Markteinführung. Denn bevor eine neue Dienstleistung so richtig durchstarten kann, muss sie auf Herz und Nieren getestet werden. Hat sie das Potenzial, die Welt zu verändern? Und dafür gibt es das smart lab USA, insbesondere für den US-amerikanischen Markt.

Ready for Life.

2016 wurde das smart lab USA als ein Teil des Business Innovation Teams von Mercedes-Benz Research & Development North America (MBRDNA) in Sunnyvale ins Leben gerufen. Das junge Team arbeitet in der Regel eng vernetzt mit lokalen Start-ups aus dem Bereich der On-Demand- und Concierge-Dienstleistungen. Die Bay Area ist die Wiege der On-Demand-Wirtschaft, und smart lab USA hat sich genau dort angesiedelt. Die On-Demand-Wirtschaft wächst rasant als Teil der Weltwirtschaft. Laut Crowd Companies, einem Unternehmen, das On-Demand-Plattformen beobachtet, bieten aktuell 280 Unternehmen On-Demand-Waren und -Dienstleistungen in 16 Wirtschaftszweigen an. Sie bedienen jährlich mehr als 22,4 Millionen Verbraucher, die für die Dienste 57,6 Milliarden Dollar ausgeben. Transport ist dabei der zweitgrößte Wirtschaftssektor.

Aktuell werden bei smart lab USA fünf On-Demand-Services im Raum San Francisco pilotiert, die sich alle über die ready-to-App buchen und verwalten lassen. Über das Smartphone wählt der Nutzer einen der möglichen Services aus und bestimmt den Ort sowie den Zeitraum, an dem die Leistung erbracht werden soll. Mit nur wenigen Klicks lassen sich jederzeit weitere Services buchen.

Alle Dienstleistungen werden durch Partnerschaften mit lokalen Dienstleistern ermöglicht, die Waren und Dienstleistungen direkt zum Kunden liefern. Dazu zählt auch ein mobiler Tankservice durch einen Tanklaster, der Benzin zum Kunden nach Hause oder ins Büro liefert, sowie eine wasserlose Vor-Ort-Waschanlage. Außerdem können Kunden unkompliziert einen Termin mit der Werkstatt ausmachen und das Auto durch den smart lab Fahrerservice abholen und nach der Inspektion wieder am Wunschort abliefern lassen. Wer sich jetzt noch seine Einkäufe und die gewaschene Wäsche liefern lassen möchte, hat mit der ready-to-App die richtige Wahl getroffen. Da smart in den USA in Zukunft ausschließlich Elektroantriebe vermarkten wird, konzentriert sich smart lab USA weiterhin auf die Entwicklung von Dienstleistungen für Kunden mit Elektroautos. Die Daten, die smart lab USA sammelt, werden zukünftig den Absatz von Mercedes-Benz Elektrofahrzeugen auf dem US-Markt ankurbeln.

Die Zukunft beginnt in der Gegenwart.

Ein bisschen wie in Haßloch ist es dann doch, nur dass dieses Pilotierungsverfahren sich an den Anforderungen von Tech-Liebhabern misst. In Silicon Valley können Early Adopters täglich neueste Technologie ausprobieren – und sie haben große Erwartungen an neue Produkte und Dienstleistungen. Das Team stützt sich bei Entwicklung und Erprobung aller Dienstleistungen im „ready to“-Portfolio auf Human-Centered Design. „Im Zentrum fast aller Entscheidungen die wir treffen, steht der Kunde“, erklärt Jen Gaze, Managerin bei smart lab USA. „Wir testen neue Ideen, holen uns Feedback und wiederholen das so lange, bis unsere Kunden zufrieden sind.“ Die smart-Chefin Annette Winkler hatte bereits 2016 in einem Interview angekündigt, den Menschen eine einzigartige innerstädtische Mobilität anbieten zu wollen. Und das smart lab USA leistet einen wichtigen Beitrag, um diese Mission zu verwirklichen.

Autoren: David Menzel und Jean-Paul Olivier